5202Haltet diesen Gedanken eine Weile fest und erwägetihn mit mir in drey Betrachtungen..—1I. Es giebt, ihr wisset es ja, erstlich eineHarmonie des Menschen mit sich selbst,ohne welche kein Glück des Lebens Statt findet,ohne welche alle, auch die lieblichsten, Töne derFreude keine Haltung haben und keinen wahren Ge-nuß gewähren. Geist und Herz, Vernunft undWille, Temperament und Freyheit müssen untersich eins seyn und im Bunde stehen; der Menschmuß mit sich selbst übereinstimmen und nicht mit sichin Widerspruch gerathen; alle seine Gedanken, Nei-gungen, Entschließungen und Thaten müssen einwohlgeordnetes Ganze, müssen gleichsam einen wohl-tönenden Accord ausmachen; der seinem eigenen Her-zen wohlthut; oder mit andern Worten: der Menschmuß mit sich selbst einig seyn, in seinem Wollenund in seinem Vollbringen.Wenn ich sage, der Mensch müsse mit sich selbsteinig seyn in seinem Wollen, so meyne ich, er müssein allem seinem Thun und Lassen bestimmt wissen,was er will; er müsse nichts wollen, was er nichtzu erreichen sich Hoffnung machen darf; er müsse inseinem Wollen nicht wankelmüthig und schwankendseyn; sondern stets ein bestimmtes festes Ziel im Au-ge haben. Und wenn ich sage, der Mensch müsse
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten