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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
167
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1650Liebe behalten, und behielt sie bis ans Ende, selbststerbend betete er noch mit seltenem Wohlwollen fürseine Mörder. Es ist augenscheinlich, daß ihm dasliebreiche Wesen, welches er beständig bewies, durchdie innigen und tiefen Gefühle seines Herzens, wiedurch die Schicksale seines Lebens nicht wenig er-schwert wurde. Aber um wie viel ermunternder istdarum auch sein hohes Exempel für uns! Wie mußes den Schwaͤchling beschämen, der sich durch dieAufwallungen seines regellosen Herzens hinreissen unddurch Kleinigkeiten erbittern läßt! Wie muß es demVerzagten Muth einflößen, wann er bange ist, ermöchte zu schwach seyn, die Empfindlichkeit seinesHerzens mit ernstem Willen und kräftigem Vorsatzezu besiegen! Wie muß es den, dem es ein Ernstist, reitzen, die in ihm wohnende göttliche Kraftanzuwenden und seinen Leidenschaften Gewalt anzu-thun! Wie anlockend ist es für jeden nicht ganzverwilderten Menschen! und wie anlockend vornehm-lich für uns, die wir seinen Namen führen! Ichmeyne, Freunde, wir müßten es als Christen ganzvorzüglich darauf anlegen, uns zu der Liebe zu ge-wöhnen, die langmüthig, freundlich, demüthig,offen, duldsam, milde und theilnehmend ist. Ichmeyne, wir könnten uns den Christennamen durchaus nicht mit Recht beylegen, ehe und bevor wiruns nicht diesen Sinn zu eigen gemacht haben,