594und frey. Der Ton ihrer Sprache ist natürlich.Ihr Ausdruck ist ungekünstelt. Was sie sagen, dasist so gemeynt, und man kann es nicht anders ver-stehen. Sie nennen Recht Recht und Unrecht Un-recht. Ihr Betragen ist unzweydeutig. Naemi undRuth handeln gegen einander und gegen Boas mitder liebenswürdigsten Offenheit und Unschuld. UndBoas ist ein unübertreffbares Muster von Bieder-keit. Ach, daß Menschen dieser Art so selten, soselten sind! und daß mit den Zeiten höherer Ver-ſeinerung gemeiniglich auch dieſe Offenheit und Ein-falt allmählig verschwindet! Denn diese erste allerTugenden iſt doch wahrlich kein hervorſtechender Zugder gegenwärtigen zu höherer Vollkommenheit gedie-henen Welt. Unsre Sitten — es ist hier derOrt nicht, irgend eine Schilderung derſelben zuentwerfen, aber dem unbefangenen Beobachter kanngar Vieles in denselben doch nicht anders als sehrerkünstelt erscheinen: und wo erkünsteltes, geziertes,gezwungenes Wesen in Sprache, Ton, Ausdruck,Kleidung, Gebehrde, Gang und Stellung ist, daiſt doch nicht die edle Einfalt. Unſer Betragengegen einander, o wie weit sind wir hierin vondieser edlen Einfalt entfernt! Wie viel Verstecktes,Unwahres und Verstelltes findet sich darin! Wieviele Falten verbergen da das Innre der Seele!Wie oft scheinen wir da etwas, was wir nicht sind.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten