S77weise alles entfernt, was überflüßig und erkünsteltist. — Und Einfalt des Charakters bey demje-nigen, dessen Charakter nur Eine Falte hat, deraus seiner Denkungsart, aus seinen Gesinnungen,aus seinem Betragen alles entfernt, was geziert,versteckt und verstellt ist, der in allem, was erdenkt und thut, auf Ein Ziel hindenkt und hinar-beitet, der alles, was er sinnt und treibt, nachEiner Richtschnür richtet und zu einem harmonischenGanzen ordnet. — Wenn ein Baumeister ein Ge-bäude so anlegt, daß die Hauptzwecke desselben,Schutz gegen die Witterung und bequeme Wohnungzu gewähren, auf eine angenehme Art erreicht wer-den; wenn er in der Anordnung der sämtlichenTheile des Gebäudes das gehörige Maaß und Eben-maaß beobachtet und demselben eine solche Gestaltgiebt, daß wir nichts daran bemerken, welches denHauptzwecken des Gebäudes widerspricht und daßwir keine andre Zierrath daran gewahr werden, alsdiejenige, welche erforderlich ist, um den Anblickdesselben angenehm zu machen: dann sagen wir,das Gebäude sey in einem einfachen Geschmacke er-baut, es herrſche Einfalt, eine edle Einfalt in dem-selben. So schreiben wir auch dem Leben und Cha-rakter eines Menschen Einfalt zu, wenn er so lebtund denkt, wie er allen vernünftigen Gesetzen ge-mäß leben und denken soll, wenn alle seine Gesin-
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