575daß es nicht noch jetzt und überall, in jedem Hause,Freunde, und in jeder Hütte so ist? —Die Antwort ist nicht schwer: lasset uns solcheMenschen seyn, wie Ruth, Naemi und Boas,dann wird es bald besser werden in der Welt.Mir dünkt, wir gleichen in unserm Benehmensehr häufig jenen Weisen aus dem Morgenlandewelche die Freude ihres Herzens auf mancherley Um-wegen in einem glänzenden Pallaste einer großenprächtigen Hauptstadt suchten, die sie auf nähermWege in einer geringen Hütte des kleinen unansehn-lichen Bethlehems hätten finden können. Was inder Nähe zu finden ist, suchen wir in der Ferne.Was uns vor Augen liegt, suchen wir uns mit vie-len Umständen noch herbeyzuschaffen. Was durch dieeinfachsten Mittel zu erlangen ist, das suchen wiruns durch vielfache Kunst zu erwerben. Einfalt,meine Freunde, Einfalt des Lebens und des Cha-rakters, die muß herrschender werden, sonst wirdes nicht besser in der Welt. Mag der Geist desMenschen noch so hoch sich schwingen, mögen dietiefsten Einsichten und die gründlichsten Kenntnissesich noch so allgemein verbreiten, mag die Kunstdes Menſchen noch ſo hoch ſteigen: das wahre Glückdes Menſchen wird ſich nicht mehren ohne dieſe edleEinfalt, — über die wir in dieser Andachtsstundemit einander nachdenken wollen.(Gesang.)
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