454die selbst im häuslichen Kreise, durch Nothwendig-keit und Liebe aufgefordert; an eine ernste und be-ſtimmte Thätigkeit ſich gewöhnt haben. Iſt demnicht also? — O lasset uns das doch bedenken,meine Freunde, daß darum das häusliche Leben einköstlicher Uebungsplatz, eine köstliche Schule derTugend ist, weil sie uns zu einer solchen Thätigkeitauffordert; und lasset uns dabey erwägen, daß dieTugend an dieser ernsten geregelten Wirksamkeit auchdie vorzüglichste Schutzwehr hat. Je mehr derMensch durch Nothwendigkeit und Liebe an Men-schen gebunden ist, die er die Seinigen nennen kann,desto mehr ist er vor vielfachen Verirrungen und Aus-schweifungen gesichert, denen wir ausgesetzt sind, so-bald wir nur für uns und für unsre eigenen Be-dürfnisse nach Gutfinden und Laune zu sorgen ha-ben. Bemerket doch auch hier wieder die Erfah-rung! Die meiste Zügellosigkeit und Ausschweifung,die meisten Thorheiten und Laster, die meiste Wild-heit sinnlicher Lüste, die meiste Schiefheit des Cha-rakters, die meiste Wunderlichkeit, Härte, Lieblo-sigkeit, Selbstsucht, die meisten Verirrungen des Gei-stes und Herzens, finden wir sie nicht grade unterdenen, welche ausser Familienverbindungen unstetund flüchtig durchs Leben gehen, oder welche sichmit ihrem Herzen von den Ihrigen losgemacht ha-ben, weit häufiger, als unter denen, die als Gat-
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