5Thätigkeit, diese Bedingung, dieser Anfang allerTugend ist nie das Theil derer, die ein flüchtigesLeben führen; sie findet sich daher viel seltener beydenen, die nur an sich selbst gebunden sind, als beydenen, die ein häusliches Band an bestimmte Ver-hältnisse bindet. Denn blicket einmal in das Lebenund Weben einer Familie, beobachtet einmal dasThun und Lassen der Familie, deren Geschichte unsdas Buch Ruth erzählt: Elimelech und seine Gat-tinn, diese Eltern und ihre Kinder Mahlon undChiljon, Naemi und ihre Schwiegertöchter, ihrFreund und Verwandter Boas und seine Diener,welch eine Thätigkeit, welch eine sorgfältige Ueber-legung, welch ein Rathgeben und Rathfragen, welchein eifriges Arbeiten, welch ein rastloses Wirken,welch eine Mühe und Anstrengung, um das täglicheBrodt zu gewinnen, um dem Unglücke auszuwei-chen, um Ordnung zu erhalten, um einer dem An-dern die Arbeit und Sorge zu erleichtern, einer demAndern Freude zu machen! Hier im Familienkreiſeist nicht für die Person eines Einzigen zu sorgen:Mann und Weib und Kinder und Dienstboten undVerwandten und Freunde, diese alle gehen sich ein-ander an, liegen sich einander am Herzen. Hiersind es nicht die einfachen Bedürfnisse eines Einzi-gen, für deren Befriedigung gearbeitet werden muß:sondern die vielfachen Bedürfnisse eines größern Krei-
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