35II. Möge uns doch diese Erfahrung zur Lehredienen! meine Freunde. Möge sie uns doch zeigen,daß aus dem Menschen etwas Großes,Gutes werden könne! Und möge sie uns dochin der Ueberzeugung befestigen, daß ein göttli-cher Geist in uns wohne, der ein mäch-tiger und wirksamer Geist ist!Freilich kömmt es uns bisweilen nicht so vor,daß aus dem Menschen viel Großes und Gutes wer-den könne. Wenn wir es nemlich in einem verderb-ten Zeitalter wahrnehmen, daß ein Mensch manch-mal gänzlich verwildert, alle edlern Gedanken undGefühle verliehrt, daß der unvernünftigste Wahn,der thörichteste Aberglaube, die niedrigste Begierin seiner Seele sich festsetzt; wenn wir bemerkendaß ein Mensch der Sinnlichkeit, den entehrendstenLüsten, den gröbsten Ausschweifungen sich Preisgiebt; wenn wir es erleben, daß ein Mensch derwildesten Grausamkeit, der unmenschlichsten Tyran-ney, der boshaftesten Verstellung, des Meuchel-mords, des Brudermords fähig ist: o wen wandeltbey solchen Erfahrungen nicht wohl der Gedanke anes sey doch ein misliches Ding um die geprieseneWürde und Größe des Menſchen. Wie mancher iſtwohl gar durch solche Erfahrungen in seinem Glau-ben an menschliche Tugend und Hohheit irre gewor-den und hat gegen den Menschen und sein GeschlechtC 2
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