#197Vorsehung, an Unsterblichkeit und Tugend unter denMenschen zu erwecken, zu begründen und zu beleben.Wenn man in diesem Sinne den Verfall der Religionbehaupten wollte, so würde das so viel heissen, alsbehaupten, daß die Einsichten in die religiösen Ange-legenheiten heut zu Tage nicht mehr so richtig und nichtmehr so allgemein seyen, daß man weniger Kennt-nisse von der Religion besitze und daß man über Religionssachen nicht mehr so richtig urtheile, wie vor-mals. Und dieser Behauptung, wenn sie je einerwagen sollte, dürfen wir doch ohne alles Bedenkenwidersprechen. Hat man in den neuern Zeiten dochin allen Wissenschaften so bedeutende Fortschritte ge-macht: wie sollte man denn grade in der Religions-wissenschaft Stillstand gemacht haben oder zurückge-gangen seyn? Hat der menschliche Verstand in sovielen andern Fächern seine Kraft bewiesen: wie sollteer grade in einem so erhabnen Fache, wie die Reli-gion ist, stumpf geblieben seyn und nicht gedacht ha-ben? Hat der menschliche Scharfsinn in dem Gebieteunſrer Denkkraft überhaupt ſo gründlich und mächtiggeforscht: wie sollte nicht auch das Feld der Religionvon seiner wohlthätigen Kraft berühret worden seyn?Hat man über die Gegenstände aller andern Wissen-schaften so gründliche und trefliche Lehrbücher verfaßt,um gemachte Entdeckungen und herausgebrachte Wahr-heiten mitzutheilen: wie sollte es grade in der einen
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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197
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