162#gen sollen. Lasset uns doch diese drey Punkte ein-mal überdenken, meine Freunde.1) Es ist uns nicht blos von unsern Eltern undLehrern gelehrt und von Jesu und seinen Apostelngeheissen, sondern auch von der Natur selbst insHerz geschrieben, daß wir nach dem, der uns berufenhat, heilig seyn sollen, gleich wie er selbst heilig ist.(1 Petri 1, 15. 16.) Die Heiligkeit der Gesinnung unddes Lebens hat eine ganz eigene Schönheit und Würde, dievon keines Menschen Verstande und Herzen verkannt wer-den kann. Der gute, nach Heiligung strebende Menscherscheint uns selbst dann achtungswürdig, ja noch ach-tungswürdiger, wenn er auf dem Wege der Tugend, dener wandelt, nicht findet, was er wünscht, kein Glück undHeil, sondern Schaden und Unglück. Wir fühlen unszu ihm hingezogen, eben darum, weil er so denkt, weil ergerade diesen Weg wandelt. Auch ohne Glauben anGott und ewiges Leben können wir nicht umhin, die Tu-gend in ihrer natürlichen Gestalt ehrwürdig zu finden;auch ohne Aussicht auf ewige Fortdauer und künftigeVergeltung können wir dem Gesetze, welches unsTugend gebeut, unsre Achtung nicht versagen, unsernGehorsam nicht verweigern. Aber das ist ausgemacht,daß diese unsre Achtung gegen die Tugend und gegendas Gesetz, welches sie gebeut, erst durch den Glau-ben an Unsterblichkeit ihre eigentliche Wärme, Le-bendigkeit und aushaltende Stärke erhält. Denn
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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