90138leicht noch etwas übrig von dem Geistvollen; das ausseinen Worten und aus seinen Blicken so gewaltig strahl-te und so gewaltig des Menschen Herz ergriff? Sowäre vielleicht noch irgend wo die Huld, die Liebe,mit der er in Galiläa den Gebeugten entgegen gieng,die Kinder segnete, den Jammer in den Hütten stillte?So leuchtete vielleicht noch irgendwo das Licht derWahrheit, vor dem so oft die Finsterniß verschwindenmußte? So wäre Er vielleicht nicht so, wie dieseHülle, erblaßt, gedankenlos, gefühllos, kraftlos?So strömte seine Kraft vielleicht auch jetzt noch aus?— — Gott, wenn dem so wäre, wenn dieser Körperhier nur die Einfassung, nur die Hülle, nur derSchleyer seines eigentlichen Wesens wäre! wenn ernoch lebte und dächte und fühlte, wenn er noch wirkteund es wüßte, daß er in dieser Hülle gelebt hat undumher gezogen ist zu wirken! wenn er vielleicht in einerhöhern Gegend, in der vollendetern Klarheit lebte,wornach sein Herz immer so innig sich empor sehn-te! — — Joseph von Arimathia, du kannst denfrommen Menschen, den Gottessohn nicht ganzbegraben haben! Sieh, wie die Sterne funkeln!In dieser Unendlichkeit, in dieser unübersehba-ren nie zu ermessenden Welt ist mehr Leben undKraft, als die Gräber fassen können! Aus demverweseten Saamenkorn, aus der zersprungenenHülse ist der lebendige Keim bis zu dieser Pflanze,
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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138
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