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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
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#55zu viel trauen, weil wir zu wenig auf unsrer Hutsind gegen die Verführung. Die innere Würde einesguten, überlegten und pflichtmäßigen Betragens reitztuns oft weniger, als der Glanz eines äußern Ge-winns. Die Ruhe des Gewissens und den Richter-spruch unsers innern Richters denken wir uns oft zuentfernt und zu unbedeutend gegen eine nahe und un-sern Sinnen schmeichelnde Freude. Mit dem, der hei-lig ist, haben wir oft nicht Gemeinschaft genug, umuns durch den Gedanken und das Gefühl seiner Hei-ligkeit leiten zu lassen. So war es einstens auch un-ter dem Volke, das sich das königliche Priesterthum,das heilige Volk Gottes nannte. Es pries sich glück-lich, daß Gott in seiner Mitte wohne: und gab sichdoch hin in verkehrten Sinn und diente nur gar zuoft den Götzen. Es prahlte auf seine Gerechtigkeit,und fand es doch nur gar zu oft für nöthig, Schuld-opfer zu bringen. Es glaubte besser als irgend einanderes Volk den Gerechten im Himmel zu kennen,und meynte doch, sich mit dem Blute reiner Lämmervon seinen Sünden rein waschen zu können. So wares leider auch unter den übrigen Völkern der Erde.Sie bauten Tempel, errichteten Altäre, feyerten Festeihren Göttern zur Ehre: und ihre Religion war nurgar zu häufig ungöttliches Wesen und weltliche Lust.Das sah der Herr und er erbarmte sich der Menschen-kinder, er wollte sie erretten aus der Verderbniß und