Druckschrift 
Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54 TEUFELSKAPPE

ihm auch zum foppen, dieser erzehltc unter andern auf die nacht vor dem essenin der stuben in meinem und den übrigen sengsenschmidtknechtcn, als des-meisters, abrichters, abschinners und dergleichen beyseyn, daß man nicht glück-licher seyn kunte, als wann mann das meßner käpl, dieses wäre des teufeis seinkäpl, überkommete; er erzehltc, daß er es einst gehabt habe, es wäre gar leichtzu bekommen, man därfe sonst nichts als wie von fueß bis auf den köpf ein weißesgwandt anlegen, die nädt aber müsten alle auswendig gemacht werden; diesesmüste mann sodann in der christnacht anlegen, und darmit in der nacht zu demamt in die kirchen gehn; es brauchte sonst nichts, so bald man in diesem aufzugin die kirchen kommete, sehete mann schon den teuffl in gestalt eines Jägers mitsein käpl auf dem köpf vorwerts herunter dem hochaltar knüen, hinter diesenmüste mann niderknüen, und da wehrenden amt alle hexen zum opfer gehenmüsten, so kunte mann somit alle, welche hexen seyen, kennen lehrnen, anderelcuth aber seheten sie nicht; alsdann müste mann auf dem teuffl acht haben,denn sobald sie das sanctus leiten, nehme er sein käpl von köpf und legte es nebensich, da wurde mann auch sehen, daß er hörndl am köpf habe; sobald er nun daskäpl neben sich gelegt, müste mann es zu erwischen, und damit, bevor die Wandlungvorbey ist, bey der kirchen hinauszukommen trachten, weill der teufl vor endeder Wandlung nicht hinauß durfte; alsdann müste der teufl nachkommen undendtecken, zu was allen sein käpl zu gebrauchen wäre. Dieses nun habe er Schnei-denauerbub auch einst gethan, wie er vorgegeben, und das käpl richtig bekommen,und sich darmit in ein hauß begeben, der teufcl wäre wohl gleich, und zwar ge-schwinder, als er noch die Wandlung vorüber zu seyn glaubte, nachgekommenund hätte ihm bey einen fenster hinein gesagt, zu was es zu gebrauchen wäre,er habe aber nichts darvon verstanden, mithin nichts anders gesehen, als das esallerhand färben hätte; und weil er somit das käpl nicht zu gebrauchen wüste,so hätte er es seiner mutter gegeben, die mutter aber einen sengsenschmidt ver-kauft und diser wäre darüber sehr reich worden.

Nun dieses alles habe ich mir gemerekt und gedenckt, daß ich es auch, weildas mittel es zu bekommen so leicht ist, versuchen wollte; ich ließe mir allso bei14 tag oder 3 wochen vor Weihnachten ein solches kleyd, und zwar bloß nachmeinen geduncken folgende stuck bey dem Schneider Prugger zu Goß machen,als ein hemmeth, ein lange weiße kutten, wie die kreuzziehcr 1 ) haben, und einkapuzen, dann hosen und strumpf, so in einen stuck wäre, und endlich auch leinerneschuch, die nadt aber durchaus auswendig. Der Schneider fragte mich wohl, war-umb dann die nadt auswendig, ich aber sagte ihm, weil ich in eine bergluckenschlieffen wollte, und auf diese arth das verborgene ärzt leichter sehen kunte 2 ).Wie ich nun das gewandt hatte, so baste ich schon auf den khristag. Sontags vor-hero allso nachmittag meldete ich mich bey dem Graber in der stadtpfarr, obich nicht am pfingstag 3 ) auf die nacht bey ihnen drüben bleiben durfte, damit

*) An anderen Stellen wird dieses Kreuzziehcrgcwand auchPeitschcr"- oderBüßer"-Gewand genannt. Es handelt sich also um eine besondere Kleidung von Teilnehmern an denkirchlichen Festlichkeiten der Karwoche, vielleicht auch um die Tracht wandernder Büßer.. Diein der Beichte auferlegte Verpflichtung, zur Sühne einer Schuld ein Kreuz an einen Wallfahrtsortzu tragen oder zu ziehen, läßt sich in Steiermark öfters nachweisen. Das Kreuzziehcrgewandwar den Teilnehmern an der Mette so bekannt, daß ihnen die kniende Büßergcstalt nach demZeugnisse des Stadtpfarrers gar nicht auffiel.

*) Hinweis auf einen Bergmannsaberglauben, der für das Suchen von Erz ebenfalls einebestimmte Tracht verlangt.

a ) Donnerstag.