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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET 51

mahlen auch ihme Martin Schwager kein einziger ox noch zwcy källber beschädigetworden seind; dero wegen öffters ernenter inquisitus in rei veritate ein jähr langund etliche wochen unschuldig mit dem arrest in eysen und bandten beleget wordenwere 1 )."

65. GLÜCKSTALISMAN, CHRISTOPHGEBET.

Archiv der Stadt Freistadt O.-Ö. 1728.

Strafprozeß gegen Peter Ferdinand Käselisler wegen Teufelsbund.

Aus dem gütlichen Verhör des Bäckerjungen Johann Langthaller vom 6. August1728 durch das Stadt- und Landgericht Linz:

(Der Beschuldigte ein wandernder Bäckergeselle ist wegen Besitzes aber-gläubischer Gebete und Gegenstände verhaftet worden.)

Frage 35:Auß waß Ursachen er dann den gedörthcn frosch, wax, schwarzepfening, gedörthes wolffsfleisch, holz, vierblätleten klee, widthopff föderl undrauchen 2 ) bey sich getragen? Thailß zur verhüettung des s. v. ohngeziffers, thailßaber demit er in verkhauffung deß brodts glückh haben solle 3 )."

(Im weiteren Verlauf des Verhörs gesteht der Beschuldigte, zwar nicht das Corona-gebet, wohl aber das Christophgebet gebetet zu haben.)

Frage 3g:Waß er hiebey thuen unnd beobachten müessen? Habe ain ge-weichtes liecht gehabt, das er alß geweichter von dem leebzelter in der Freystattcrkhauffet, sodann mit ainer geweichten heyl. drey könig kreiden 4 ), die er vonherrn capucinern zu Freystatt bekhommen, drey kraiß und zwar den ersten innahmen gott dcßvatters, den änderten in nahmen gott deß sohns, den dritten aberin nahmen gott des heyl. geistes gemacht, sich mit dem liecht in den innersten kraißbegeben, alda nidergekhnüet und aine halbe stund lang auß dem büechl gebettet.Jedoch hätte er nichts gesechen, gehört oder bekhomben. Vorhero aber hätte selbigerdrey tag meeß gehöret, hiebey roseneränz gebettet, auch mit wasser und brodtgefastet."

66. ABTREIBUNGSMITTEL.

(Siehe 68.)

Stadtarchiv Freistadt O.-Ö. Gütliches Verhör mit der des einfachen Ehebruchsbesichtigten Magdalena Haßlingerin, 28. September 1734.

Aus dem Verhör:

Nachdem ihr das geblüeth 2 monnath lang außgebliben, habe sye gegen demSchneider alß beede das drittemall miteinander zuthuen gehabt, vermeldet, syeglaube, sye seye schwanger, darauf er ihr alsogleich einen sibner geben und ge-

*) Das Urteil lautet daher nur auf 20 Stockschläge; der Gerichtsdiener erhält einen Verweis.

*) Räuchermittel, wahrscheinlich Weihrauch. Möglicherweise auch Pelzhaare (Rauchwerk).

3 ) Über die hier angeführten Talismane vgl. bezüglich des getrockneten WolfsfleischesHovorka-Kronfeld II, S. 869 (bei den Slowaken des Neutraer Komitats gilt es als Amulettgegen den bösen Blick); bezüglich des Wiedehopfes ebendort I, S. 451 (wer den Kopf eines Wiede-hopfes in der Tasche trägt, kann von niemand betrogen werden), Wuttkc, S. 408; bezüglich desFrosches oder der Kröte ist zu merken, daß die letztere ein Seelentier ist, weshalb sie nach demVolksglauben nicht absterben kann, auch wenn sie getrocknet wird; darum steckt die Seele auchnoch in dem Krötenamulett und bringt Glück (Hovorka-Kronfeld I, S. 26off., und Wuttke,S. 116ff.). Der schwarze Pfennig ist der Heckpfennig (Wuttke, S. 408).

*) Am Vortag des Dreikönigtages wird in katholischen Gegenden Wasser, Salz und Kreidegeweiht; alle drei dienen als Schutz gegen Bezauberung (Wuttke, S. 69, 281). Vgl. die Nachweisebei Franz, Benediktionen. Das Christophorusgcbet war eines der verbreitetsten Schatzgebete(Wuttke, S. 612).