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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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49
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VIEHZAUBER, FERNMISSHANDLUNG 49

Vor 4 jahrn nach St. Ugentag, alß der einnemberin zu Praitenegg durch einepauerin, die Minzer Hoißlin genandt, die khüe verzaubert worden, hab ihm dieeinnemberin einen 7ner zu lohn geben, darauf er in des einnember thürschwell,wo die khüe auß unnd eingangen, ein loch außgraben unnd von alln khüen einneu gemolchene milch gcnomben, dieselbe in das loch gössen; hernach hab ereinem vorstekhen 1 ) glient gemacht unnd in das loch gestekht, darzue gesprochen,ich brenn nit die milch oder den rämb, sondern ich brenn die hex, die die milchentziehen thuet, unnd hab dem vorstekhen in dem loch abkhüellen lassen, warüberdie Hoisellin tochter seither auf und auf, unnd selbiger seithen auch der fueß unnddie hendt verbrendt worden.

Fehrers hab ihme bemelter halter der Khoini Jörg 2 ) gelehrnet, das er ainemauch über 100 meill wegs briglen khüne. Darzue müesse man haben ein weißhaßlen stekhen, der am h. charfreytag in driten schnidt abgeschnittn, unnd einmesser, das mit 9 creiz unnd 9 monschein 3 ) am h. charfreytag geschmidt worden.Wan er nun ainem briglen will, so mueß er dessen tauf- unnd zuenamben wissen,hernach sein aignen rokh außziechen unnd das messer undter dem rokh legen,darzue sagen, du hundt ich brigl dich in teufls namben, unnd soll mit dem haßlenstekhen auf dem rokh zueschlagen. Auf solche weiß hab ihme dep. ein öster-reichischer halter nambens Änderl, der mit ihme garthen*) gangen unnd sich mit-einander wegen thaillung der gaab zerkriegt, vor 2 jahrn dergestalt gebriglet,daß er hernach auf der trag herumb tragen worden . . . 5 )

In Obdacher pfaar in der Gränizcn verwichnen winther ein wienkh vor osternhab er unnd ein anderer halter nambens Änderl, der bey dem Mayr in Gaißbachgehalten, mit einem messer mit 9 creizen unnd 9 monschein, so an ainen char-freytag gemacht worden unnd er dep. von dem sengsenschmidtknecht zu Eppen-stain bekhumben 8 ), bey einem pauern, dessen pauerin ihnen khein gaab geben,sondern greint unnd sie außgescholten, bey dem wassertrog alln khüen die trittaußgestochen 8 ) unnd in trog geworfen, darzue gesagt, sie würfen es hierin in teuflsnamben unnd solten in zwey tag unnd nacht khein milch khrüegen, so auch be-schechen unnd haben die khüe bluet geben.

Damit die khüe nit auf die sizstatt 7 ) gehen, hab er es also gemacht. Er habs. v. das koth von der sizstatt genomben unnd in ein ameßhauffen getragen, darzuegesagt, so wenig alß die amesen beysamben bleiben, so wenig sollen die khüe aufder sizstatt bleiben, unnd dises hab er vor 11 iahren seinem aignen gespan demKhullmayrschen halter gemacht.

x ) Der eiserne Vorstecker (Riegel) vor der Stalltür. Der hier geschilderte Vorfall ist eineüberaus verbreitete Form des Hexenbrennens (Wuttke, S. 449).

2 ) Derselbe, der ihn das Wolfbannen gelehrt hat.

s ) = Mondbilder. Es handelt sich hier um ein sogenanntes Trudenmesser, wie es Selig-mann, Tafel XIX, Fig. 64c, abbildet; ebenso bei Andree-Eysn, S. 137.

4 ) = landstreichen, ein ursprünglich der Landsknechtsprache entstammendes Wort (aufder Gart ziehen",gartende Knechte" usw.).

6 ) Es handelt sich hier um eine uralte Form des Analogiezaubers. Man beachte, daß z. B.E. T. A. Hoffmann imKlein Zaches" in ganz ähnlicher Weise eine Züchtigung schildert, diedem bösen Zwerge Zinnober zuteil wird. Derselbe Zauber bei Wuttke, S. 109, 270.

e ) Über den Fußspurenzauber vgl. die zahlreichen Belege und Literaturnachweise bei Selig-mann, S. I53ff.Die Fußspur, die ein Mensch oder Tier auf dem Erdboden hinterläßt, stehtim innigsten Zusammenhang mit ihm, sie ist ein Teil seiner Seele. Manipulationen, die man miteiner Fußspur ausübt, müssen daher den Menschen oder das Tier, die diese hinterlassen haben,selbst treffen."

') = Ruheplatz des Weideviehes.Byloff, Volkskundlichcs. 4