TOTBETEN, BILDZAUBER 45
59. TOTBETEN UND TOTZAUBERN.
(Siehe 6, 17.)
St. L. A. Sond.-Arch. Schönstein, Schub. 16 (4a Gerichtl. Verhörs Protokolleund Kriminalprozesse), 1677.
Kriminalprozeß des Landgerichts der Herrschaft Schönstein gegen MariaFerlin wegen Krankheitanhexen, begonnen am 2. April 1677.
Aus dem Verhörsprotokoll:„Deß gebetts inhalts, mit wellichen sie das loben ainßwöder verkhirzen odervcrlengern khan: Heindt ist der hl. freittag, alß Cristuß gefangen worden, mitstrigken gebundten, mit der geisl gegeislet, mit der ruetten gezichtiget, mit dercran sein hl. haupt gckhrendt, seine hl. hendt außgespandt und anß creiz angenaglt,die hl. wunden mit salz angcsträtt, sein hl. haubt mit spähl 1 ) verspierzlt und mitkhott verworfen, sein hl. seidten mit den spieß durchstohen, hernach were unserliebe frau zu unsern herrn undterß Creiz khomen und gesagt: Ach wie bist duso sehr verwundt und von den Juden zermartert worden."
Aus dem peinlichen Verhör vom 3. April 1677:
„Bekhendt, eß hätte sie ein alteß weib nammß Eva Kartin deß Lorber in-wohnerin, so beraiths vor 2 jahrn gestorben, gelehrnt, daß wan sie ainen todthaben will, solle sie von ainer erden am freitthoff nemben, so zwischen den todten-bäurcn ligt, wan mahn die todtenbciner außgraben thuet und über dessen khopffoder leib schidten, mieste volgents sterben . . .
In simili bekhendt, daß sie jedes malß, wen sie die erden über dergleichenleidt gesträdt, auch den spruch und ohne dessen die erden sonst khein würgkhunghaben khönen, gesprochen: Gleich wie der todte mensch die erden verlangt, alsoauch verlangt dise erden dessen lebendtigen leib und seinen todt 2 )."
60. BILDZAUBER.
(Siehe 2, 13, 14, 16.)
L. R. A. Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli, Paul Schatz, an die Re-gierung vom 8. Juli 1677, Kop. 1677, VIII, 76.
Im Anderburgschen Landgericht bei St. Georgen unter Reichenegg hatPaul Schatz eine Hexe, namens Ursula Vurischigkhin, mit dem Brand vertilgt, diemit Hilfe des Teufels den Menschen Krankheiten und Tod angehext hat.
Sie hat bekannt, „daß sie ain khleineß mändl von läm oder khott formirtergehabt und wan sie dasselbige mit ainer nadl in ain glid oder in leib gestohen,also sey der ihenige mensch, deme sie die hexerey anzuthun verlangt, auf ainensollichen glid khrump und lam oder aber in leib khrangk worden, wan sie aberbedeites khott mändl arn khopff in schlaff gestohen, also habe der Mensch garsterben mießen 3 )."
J ) = Speichel.
a ) Form des Analogiezaubers. Die Verwendung der Friedhoferde zu Schadenzauber weichtinsofern ab, als sonst die Friedhoferde zu Heilzauber benutzt wird (vgl. zahlreiche Belege beiSeligmann, S. I48ff., und bei Wuttke an vielen Stellen).
3 ) Vgl. Frazer, S. 81.