42 BACKZAUBER, ZAUBERBAD
topf gethann und selbe deß andern tagß frue vor aufgang der söhnen auf der weithauf ein thorseillen gesezet, dem windt damit zufuedern, daß selbiger das ganzejähr hindurch seine gründt und Sachen kheinen schaden zuefüegen mögen 1 ).
5. Sagt auß, daß er offtermahls zu khirchtagszeiten, wan er neben andernwirthen wein fail gehabt, ehe er dem wein aufgethann, von seinem nebenwirthin einen neuen krueg voll weinn entnomben, denselben heimblich in seinen khellerunder den gandter 2 ) gesezet, damit sein wein schleunig fortgangen und deß andernverschlagen gebliben . . ."
Bekenntnis desselben vom 27. Juni 1675 vor dem Landgericht Feldbach:
,,. . . 1 mo. Hette er ain fuehr wasscr 3 ) auffgeschöpfft vor der söhnen scheinen,hete es unter des brodtpach gethan, das es forgehen und er solches desto eheunterverkhaufen möge.
2do. Seye ihme auch gerathen worden von Phillipp Stockher in Hartens-dorffer pfarr, unter Freyberg 4 ) rukhsessig, solle die milch in dem sautrog schüttenund mit ainem hakhenthörn außbeitschen, seye auch zu beßrer Versilberung desbrodts.
3do. Habe ihme ain fahrent schuller zu Ekhensdorff 6 ) gesagt, daß er schwährekhrankheit wurde außstehen, wehre auch bald darauf khrankh worden, hete ihmeain soldath gerathen, solte von 9 ammeshaufen 3 handtvoll und von 9 pämern,die kheine frücht tragen, zweig abbrechen, das fuhrt wasscr 8 ) aufschöpfen, davonihme ain padt machen und sich darmit paden, so er auch gethan und darauf ge-sundt worden, jedoch solte er das padtwasscr nirgents änderst wohe hin, alß inain fliesenden pach schütten, in widrigen sonsten, da es auf die erden khombenund jemandt, es wehre mentsch oder vih daryber gehen solte, also balden sterbenund verrekhen mießte . . .')"
55. LIEBESZAUBER, MENSCHENZURÜCKBRINGEN, ZAUBERÄRZTINNEN.
(Siehe 3, 5, 8, 9, 12, 34, 48.)
L. R. A Bericht des Bannrichters im Viertel Cilli, Paul Schatz, vom 31. Juli167$ über die angebliche Hexe Agnes Cessarka beim Landgericht Sauritsch, Cop.1675, VIII, 140.
In Sauritsch an der steirisch-kroatischen Grenze haben Anfang Juni 1675 diewegen eines schweren Hagelwetters erbitterten Bauern zwei der Hexerei verdächtige
*) Das Windfüttern ist eine in Steiermark noch heute geübte Sitte. Nach Mitteilung dessteirischen Volksforschers Schuldirektor Karl Reiterer wird am Blasiustag (3. Feber), dendas Volk Blasentag nennt, in Donnersbachwald Mehl in den Wind gestreut mit den Worten:„Wind, Wind, Sei frei g'schwind Und pack Dich hoam zu Dein Kind." Man glaubt so den Wind-schaden bannen zu können. Vgl. über das Windfüttern zu Weihnachten und Dreikönig Wuttkc,S. 293, und Marie Andree-Eysn, S. 160.
2 ) Ganter = die Balkenunterlage für die zum Ausschenken gerichteten („aufgeganterten")Fässer.
3 ) Das Wasser aus den Wagenrinnen auf der Straße.
4 ) Windisch-Hartmannsdorf, Herrschaft Freyberg, beide im Bezirk Gleisdorf.6 ) Eggendorf im Bezirk Hartberg oder Eggersdorf im Bezirk Gleisdorf.
6 ) Über die hier angeführten Formen von Zauber vgl. noch bezüglich des Kehrichtzaubers,der ein ausgesprochener Glückszauber ist, Sartori II, S. 47, 50 (Anm. 17), 62; bezüglich derHagebutten Marzell, Kräuterbuch, S. 131 (Hagebutten bewahren das Vieh vor Rauschbrand);bezüglich des Abwehrzaubers gegen Blutmelken Wuttke, S. 284 (eine Abart des Hexenstechensdurch die Dornen); bezüglich des Pfützenwassers (Leichenzauber) Wuttke, S. 133; bezüglichdes Ameisenbades Hovorka-Kronfeld, S. 285. — Über die Bedeutung der Zahl bei denKuren Wuttke, S. 90, 479.