38 NESTELKNÜPFEN, KRANKHEITSZAUBER
„Bekhendt, er prauche nichts anderß alß ainen zwyernßfaden, mit wellichenainen han, wan man denselben schneiden und capeindeln 1 ) thuet, die renes seutesticuli gepunden und vernädt werden. Mit dem er ainen knöpf macht und spricht:Gleich wie den han, so man capeindelt hat, mit disen faden sein hanen mäht undtesticuli gepundten und benomben worden, also solle eß auch dier gepundtenund benomben sein, und müeste hierzue die zeit nenen, wie lang diseß cpntinuiernund gepunden verbleiben solte ..."
„Reus respondet confirmando dictum (nämlich der Beisitzer, welche behaupten,daß ein Mensch, dem die also geknüpfte Nestel nicht gelöst wird, sterben müsse)und sagt, wan man den faden inß wasser oder feuer wirfft, so mueß der menschsterben ..."
Aus dem Bekenntnisse vom 23. Februar 1672:
„Wan er die hexerey auflösen will, so mueß er ainen alten huefnagl in dasträngkl werfen und salva venia etwaß von seiner urin darzue gehn lassen."
(Im späteren Verlauf des Verhörs gibt Krischan zu, daß der Beschwörer, um dieNestel zu knüpfen, zuerst Gott, die heilige Dreifaltigkeit, die Jungfrau Maria, dieEngel, alle Heiligen, die schwarze Mutter Erde, das Laub und Gras, den Sand inWasser und Meer verleugnen müsse. Dann habe er zu sprechen:)
„Ich Jacob gepiette mit gott den vatter, gott den söhn und gott den heutigengeist, 3 namen und nur ain einziger gott, gepiette auch mit der allerheilligstendreyfaltigkeidt, daß sie an disen menschen N. anjezo und am jüngsten tag kheinengewaldt, weder crafft noch macht haben sollen, sondern daß ihme all sein män-liche macht und crafft hiemit benomben sein soll, gleich wie sie den han benombenworden ist, alß man ihme mit disen faden gekhopdt hat, und müeste sovil khnöpfcontinuirlich mit dem faden mähen, sovil tag, wohen oder monath er verlangt,daß daß maleficium und der zuestandt continuiren soll . . ."
(Er gibt an, diese Beschwörung müsse man achtmal wiederholen, fünfmal zurück-sagen und schließlich noch dreimal wiederholen:)
„Bekhendt und sagt, daß ain zuestandt sey, so die leutt reverendo in denschengkelen haben, derselbige schaden heist die lebendigen fäden 2 ), wan mansollichen den patienten benemben will, so mues man ihme coniuriren und aufdie körn eher 3 ) anweisen, dardurch zweifelßohnc das körn verderbt wiert."
„Bekhendt, daß er die Agneß Rhossyn curirt hat, sye Rhossyn aber habe diecur und Sachen, so er gebraucht, ihrer nahbärin nemblichen deß Jansche Khun-stitsch weib, mit dero sye in greinhandl gestanden, in ihren gartten gegossen undheimblich undterworffen. Sagt, wan man über dieselbige außgegossen Sachen,die man ordinari bey ainer durchfahrt, an den wasser oder aber bey einer stiglund auf ainen creizweg außgiessen mueß, unversehner weiß gehet, so causirt eßden menschen vill grössere krangkheidt und schaden, alß wan manß sunst eigneßfleiß für ain persohn zuerichten thett 4 )."
x ) Zum Kapaun machen, verschneiden.
a ) Nicht feststellbarer Krankheitszustand, vielleicht das sog. Ameisenlaufen.
s ) Kornähren. Das Abwenden ist Zaubertherapie (Wuttke, S. 335ff.).
*) Für die in diesem Stück angeführten Arten des Zaubers ist zu verweisen, daß das Pissendurch den Rebenring als Mittel gegen Impotenz vielfache Analogien in der Volksmedizin hat(Hovorka-Kronfeld II, S. i64ff., Heckscher, S. 116), ebenso das Nestelknüpfen durchKnotenbinden (ebendort II, S. 165). Der Hufnagel ist ein alter Zauber gegen Krankheitsdämonen(Hovorka-Kronfeld II, S. 674, und Seligmann, S. 45, 165, i67ff.).