GLÜHENDER SCHAB, NESTELKNÜPFEN 37
nit kräet und kein man nit mäedt, wo kein klockcn nit klingt und wo kein christ-glaubiger mensch nie hinkümbt. In nahmen gott des vatters, gott des sohns undheil, geists amen.""
49. DER „GLÜHENDE SCHAB".
L. R. A., Cop. 1672, VI, 122. Protokoll über das unparteiische Gericht desdelegierten Richters Johann Wendtseyßen in der Klagsache des Michael Hörg samtseiner Ehegattin Marina und deren Schwester Gera gegen Michael Gregoritsch undGenossen wegen bezichtigter Zauberei. Radkersburg, 2. Juni 167 1.
Aus der Aussage des Beklagten Wenko Waslun:
„Vor 6 jähren an ainen sambstag abent habe er, Michael Gregoritsch undMatthias Khrälatsch bey seinen hauß sitzend gesechen einen brinneten schabstro bey deß Michael Hörckh kheller niderfallcn und seye gleich außgeloschen."
Der Beklagte Michael Gregoritsch sagt dasselbe ivie Wastun und fügt bei:
„er aber habe 3mall gesechen, daß allezeith ein brinender schab an h. abendt 1 )bey deß Hörckhn kheller nider gefallen seye."
Auch der Beklagte Mathias Khralovitsch bestätigt dasselbe 11 ).
50. NESTELKNÜPFEN UND -LÖSEN, HEIL- UND KRANKHEITSZAUBER.
L. R. A. Kriminalprozeß des Landgerichts Windisch-Landsberg gegenJakob Krischan wegen Zauberei, 1672, Cop. 1672, III, g2 3 ).
Krischan, ein Wunder- und Zauberarzt von großem Ruf, hat angeblich auf derHochzeit des Andreas Knapp, des Sohnes des Supans*) der Herrschaft Landsberg,diesem und seiner Braut durch Nestelknüpfen den Vollzug der Ehe unmöglich gemacht,wird deswegen verhaftet und vor das Banngericht gestellt.
Aus dem Bekenntnisse vom ig. Februar 1672:
(Das Nestelauflösen bewirkte er in folgender Weise:)
„Er hette in weingartten von ainen weinstogk, der blawe weinpör tregt, vonder subtillen Weinreben, die zu Zeiten ringßweiß umb den weinggarttstogken wachst,ainen sollichcn ring abgeschnitten und ain khriegl in die handt genomben, dareinsye durch densclbigen ring etwaß wenigß salva venia von ihrer urin gehen lassen,hernach hab er bey dem hauß von 3 hilzan sculen waß wenigß herunter geschahenund darein geworfen, wellichcß sye bade außtringken müessen, dardurch sye ohneVerzug restituirt worden.
Weidterß khundle er auch für das vergicht 5 ), grümen und reissen in lendenund creiz helffen, darzue er unser lieben frauen vesperkraut 6 ) und das röhr, sodie pindter bey den fässerabpindten einlögen'), prauhen thuet, welliches er inßwasser legt und dergleichen patienten mit dem wasser abwascht."
Aus dem Bekenntnisse vom 21. Februar 1672 (unter dem Drucke des drittenTorturgrades):
') In diesem Zusammenhange der Samstagabend.
2 ) Über den „glühenden Schab" vgl. Geramb in den „Blättern für Heimatskunde".
3 ) Dieser Prozeß ist ausführlich behandelt von Byloff, Nestelknüpfen und -lösen.*) Gemeindevorsteher.
6 ) Hier wohl das Gliederreißen mit Krämpfen.
6 ) Wahrscheinlich Hypericum perforatum L., das bayrisch-deutsch-österreichisch als UnsererLieben Frauen Gras oder Nagei belegt ist und volksmedizinisch als Aufguß bei Krampfzuständenverwendet wurde (Marzell, Kräuterbuch, S. 266).
') Schilfrohr.