36 ZUSAMMENKOCHEN, AUGENHEILUNG
Möchte etwa 5 oder 6 stupff gethan haben. Dardurch wurden sie ein wenig kranckund ließen sie sodan mit frieden 1 ) . . .
Noch zuvor, ehe daß sie der Weyrer geschlagen, habe sie des Vastls in derGrueben (seil. Sohn) mit namen Hannßen und die Weyerin zusammen gekocht,solcher gestalt. Sie habe von der Weyerin ein pall kraut und von des Vastls ver-weisset 2 ) auch ein stück genommen, zusammen in ein hafen gethan und folgendewort darzu gesprochen: „„Ich will das Vastische verweiset 2 ) und das Weyrschekraut miteinander kochen; wann etwa der Weyrer mit tod abgehet, alsdann solldas Vastische verweisset 2 ) das Weyersche kraut beißen.""
(In einem früheren Verhör vom 5. November i66g sagt sie über diesen Zauberfolgendes:)
„Das größte werck, so sie gethan, wäre, daß sie von der Västlin in der Gruebenein krautmachet 3 ), von der Weyerin aber das kraut genommen, dasselbe zusammenkocht in hunc finem, damit, wan der Weyerer stürbe, des Vastls söhn namensHännßl zu der Weyerin heuraten könte . . .*)"
Aus dem gütlichen und peinlichen Verhör derselben vom 6. März 1670:
,,. . . hatte verhafftin zu disem 6 ) nichts anders gebraucht, alß eine milch vonihrer aignen khue und selbige mit vorgemeltem ihrem messer gestopffet, darbcyaber disen segen gebettet: „,,0 herr Jesum Christ, hatt mir etwa iemandt waßgethan, eß seye fraw oder man, ich setze ihme es selber haimb in sein fleisch undin sein bein, in sein lüngl und leber und in sein rechte hertz feder.""
Hernach hette sie auch den von denen talcken 8 ) übergeblibenen habern 7 )zestampffet in gäntzlicher mainung, ihme verstorbenen Weyer darmit sein hertzzu treffen mit auch widerholung ietzt geschribenen segens . . .
. . . bekendt . . ., daß nachdem sie im winter vor zwey jähren großes wehe-thum und schmertz in ihren äugen gehebt und schier gantz blindt gewesen, habesie dises wehethum mit 9 luckenden staindl 8 ), so von einem gruebl oder hauffengenohmen, im fewer glüend gemacht werden müßen (seil, geheilt), warzu sie einnewes hafferl mit waßer angesetzt, dises gantz siedenheiß gemacht, hernach solchesin eine schüßl geschüttet, die staindl darin gelegt und daß hafferl darüber gedecketund sodann disen segen gesprochen:
„„Wildtnußen und biltnußen übell und apfell, und alle wilde geschoßen gehenauß mit einander über die gassen, begegnet ihn unser 1. herr Jesum Christ, dasprach unser lieber herr Jesum Christ: „„Wildtnußen und biltnußen, wo wildtes hin mit einander über die gaßen?"" „„Wir willen gehen zu der eillen 9 ) bein-brechen und bluet sauffen."" Da sprach unser 1. h. Jesum Christ: „„Daß soltes keins nit thuen, ich bann euch auß gar in eine wilde rameney (?), wo kein hann
J ) Vgl. Wuttke, S. 445.a ) Einbrennfett (Unger-Khull, S. 228).
s ) Dasselbe, wie das obige (Anm. 2) „verweiset", nur mit dem Unterschied, daß das Fettmit Kraut verhackt ist (Ungcr-Khull, S. 410).*) Eine Form des Analogiezaubers.6 ) Nämlich zum Milchstechen gegen den Weyrer.
6 ) Gebäck, hier aus Hafermehl gebacken.
7 ) D. i. der Hafer, den sie als Naturalentlohnung für Schnittarbeit von dem Weyrer er-halten hatte, und der sich als schlecht (leer) erwies.
8 ) Steine sind volkstümlich ein Mittel gegen Augenkrankheiten (Seligmann, S. 2o8ff.).Steine mit natürlichen Lüchern sind ein uraltes Amulett (ebendort, S. 234). Über Augensteineebendort, S. 240, 244ff. (vgl. auch Hovorka-Kronfeld II, S. 783).
•)Eule(r).