KRANKHEITSZAUBER 29
khrankheit vermelt: laß ihm jezt auch ein weil laiden und passen, weil er michgeschlagen, unnd also er Mallenitsch fast gegen ein jähr in seiner khrankheit an-gefangen zu geschwellen, haben ihm die seinigen widerumben zu hauß geheilt 1 ).
2. Bekhendt vor ain jähr seye sye von der herrschafft locay 8 ) einem namensPhilip Gamilschekh geschlagen worden; damallen sye Julliana auch ungefehr zuihr khumben, weliche sye gebetten, ihme locay ein fieber zu machen, zu welchenwerkh die Juliana ein stikhl rindten, von dem überblibnen holz, darmit sye ge-schlagen worden, begerth, diße es auch gebracht, wisse nit waß sye Juliana damitgethan, aber alß die Juliana ihr die rindten widerumb geben und dem locay unterzu strain anbcvolchen, seye darüber der locay balt erkhrankht 3 ). Damit er aberzu seiner gesundheit gelengen khundtc, bätte er disse Margareth umb gottes willenunnd umb die fünff wunden Christi, ihme widerumb zu helffen, in widrigen (er)sich mit einem mösser ertetten welle. Die besagte ist auch wider zu der Julianaumb rath der widerhelffung gangen, welliche disser 9 felberne*) ruethen in ain padt,absonderlich aber daß füngger khrautt 5 ) guldes khrauth 8 zu khochen, die stainaber mit denen von sich selbsten verdorbenen khronobetham 7 ) zu hizen anbe-volchen, womit sye ein padt gemacht unnd obbenendten locay zwämall gebadt,wellicher nochmallen dardurch sein gesundheit erlangt habe 8 ).
3. Bekhendt: es habe sich ein supan 9 ) namens Simon Fraß eines halben starttin 10 )weinß halber gegen der beclagten ungefehr vor 3 jähren durch einen greinhandlverfeindt, welicher sie auh entlichen mit einem haßlen stekhen geschlagen und alßsye beclagte umb ein wasser ga(n)gen, habe sye die Julianam und der Jurschitschenweinzerlin (so bereiht tott ist) beysamben gefunden, weliche zwo unter gehabtengesprach disser angebotten, sye wolle disse erlittne sträch röchen unnd bevolchen,sye solle etliche Schiffern 11 ) von dem stekhen, damit sye geschlagen worden, wieauch etliche haar von sein deß suppanß khopf ihnen bringen, sie wolten machen,das er supan darvan erkhrankhen solte.
Disse hat ein tagwerkherin namenß Appolonia gebetten, sye wolle ihnenetliche haar von den supan zuebringen, die Apolonia brachte die hare, disse nambdieselbe sambt den schifftern und gebs obbesagten zweyen alß Juliana unnd der
*) Das Haar des zu Bezaubernden vertritt diesen als pars pro toto. Das, was diesem sym-bolisch zugefügt wird, wirkt sich auf den Bezauberten aus. Über denselben Glauben bei Natur-völkern ausführlich Frazer, S. 337f. Die Locke als Liebeszeichen gehört mit in diesen Vor-stellungskreis. a ) = Lakai, Bedienter.
a ) Das Unterstreuen, Vergraben, Verstecken usw., das sich als Form des Krankheitszaubersfür Mensch und Vieh überaus häufig findet, beruht auf der Vorstellung, daß hierdurch eine gefähr-liche, jedem Darüberschrcitenden verderbliche Zone geschaffen werde (vgl. die zahlreichen Nach-weise bei Wuttke, insbesondere S. 268ff.).
*) Vom Fclber-, d. i. Weidenbaum, der ein berühmtes Mittel gegen Verzauberung ist (Marzell,Kräuterbuch, S. 85).
*) Entweder der Fingerhut (Digitalis purpurea L.) oder eine der mehreren, im Volksmundenach der Blattbeschaffenheit „Fünffingerkraut" genannten und volksmedizinisch häufig ver-wendeten Pflanzen, insbesondere Gänserich (Potentilla anserina L. [vgl. Marzell, Kräuterbuch,S. 345] oder Potentilla reptans L. [vgl. Hovorka-Kronfeld I, S. 174])-
') Das Tausendgüldenkraut (Erythraea centaurinum L.), das noch heute offizinell ist undals Volksheilmittel dient.
7 ) Verdorrtes Wacholdergestrüpp (Juniperus communis L.) (Marzell, Kräuterbuch,S. 121 ff.).
8 ) Der alte Brauch, das Bad mit heißen Steinen zu hitzen, ist in den Alpenländern stellen-weise noch verbreitet (vgl. Heyne I, S. 45ff., und Geramb, Rauchstuben, S. 20,ff.).
•) Vorsteher der Dorfgemeinde.
10 ) Noch heute übliches Hohlmaß für Wein, beil. 550 1.
11 ) Dial. für Span.