3o KRANKHEITS- UND VERSÖHNUNGSZAUBER
weinzerlin, weliche zwo die beede starkh angesprochen haben und verthrauthedie Juliana dabey disser: das ein jedes glidt des supans damit verpanth sey, be-velchte anneben disser, sie solte ein pohrer, mit wellichen ein tottentrag gemachtunnd geborth worden, nemben, ain loch in ain weissen alberpaumb 1 ) einpohren,die haar sambt dem angesprochnen holz in das loh hat verschlagen unnd des supanßleib mit ihren zauberischen spruch angesprochen, also werde der supan darauferkhrankhen, weliches sye auch gethan, die haar sambt dem holz in das loch einesabents verschlagen und unter wehrenden schlagen unnd strächen ihren zauberischenspruch his formalibus: Ich Margaretha spriche an daß haubt, die glider, das in-gewöth des gethaufften gefüermendten und gesegnethen menschen des SimonFräs, das er erkhrankhc, erlahme und schwach werden solle, in den dreyen nambengott vatter und des söhn und des heilligen geist amen, über ihme supan dreymalgereth, warüber aber nur sein weib erkhrankht 2 ). Das aber ihme nichts geschechenseye, ist die ursach, weillen die Appolonia per errorem nit des mans, sondern nurdes weibs haar gebracht.
Item bekhend, sye habe ein theil von dissen angesprochnen sachen auchabents auf ein stigl geworffen, in mainung es wurde der supan erstens darübergehn, so seye aber nur sein weib darüber gangen, daherr nur sye erkhrankht undfiebrig worden 3 ).
4. Bekhendt, die Juliana habe ihr ain gröbß 4 ) unnd ein schwarzes pülvcrlgeben, bevelchend disses in ein wasser zu werffen, unnd mit den wasser die supaninabzuwaschen, darvan sye ihr vorige gesundtheit erlangen werde, weliches syeauch gethan und sye darüber die supanin ihrer vorigen gesundtheit restituiertworden.
7. Bekhendt wider deß Michel Criauez weib zu Serianzenberg unter die BurgMahrburg gehörig, sie hete von der Khoroschizin gehördt, wan man daß heillighochwürdig sacramendt nembe und lege daselbe in ein wasser, zerreibe unnd vonmell ain poganzen 5 ) mache, denen, so ein ander feindt sein, zu essen gebe, so wurdensye widerumb freindt darvan. Item ain theil von dem h. sacramendt darvan be-halten unnd darmit geraucht 8 ) solle helffen.
8. Sagt weitter ernendte Chriauizin habe gegen ihro Margaretha vermelt,das die Khoroschizn ihr ein dergleichen pogätschen 5 ) nach hauß gebracht, darvansye ihren man zu essen geben, der sye vor angefeindtet, nachmals aber, weil ervon der pogätschen 8 ) gessen, hat er mit ihr fridlich gehaust."
Im späteren Verhör bekennt Margaretha Kheyditsch auch noch folgenden Milch-zauberspruch, den sie mit Erfolg nebst Eingebung eines näher nicht bezeichnetenSamens angewendet hat:
„Ich Margaretha gebiete, verpahne alle millich und alle khröfften der noh-bohrn khüe, auß den fießen, auß den ingebeith, auß dem khopf, auß den hörrn
*) = Silberpappel (populus alba).
a ) Das Verbohren ist in der Volksmedizin hauptsächlich als Heilungszauber durch Ab-wenden einer Krankheit bekannt. Als Anzaubern von Krankheiten kommt es seltener vor (vgl.Wuttke, S. 488ff.).
8 ) Wiederum das Schaffen einer gefährlichen Zone (vgl. Anm. 3, S. 29).
*) = graues.
6 ) slaw. Gebäck, ähnlich einer Pastete. Ähnlich Pogätschen.
*) = geräuchert. Die Räucherung ist ein vielfach verwendetes Volksheilmittel in Steiermark.Der hier erwähnte Zauber beruht auf der versöhnenden Wirkung des Abendmahles (Wuttke,S. 455). Vgl. Heckscher, S.363, und Pohlmann, S. 16ff.