26 KUHSCHWÄNZE, DIERLING
offen khomben, volgendt sich daselbs allain nidergesezt, undterdessen sey imesein geist die Peliale 1 ) erschinen, die het ime befragt, ob er nit wolt gern ain peersain, damit er khann fleisch essen, wöll ime auch ain peernhaut geben. Unnd weihener dann solch seines gaists anregen nach nit zuwider gewest, sonndern darein ver-willigt, allß hab er ime bedeite pcrrnhaut (welche dergestalt formiert gewest, allßvorn wie henndt, unnd hinten auch wie fieß, haben aber an allen orthen als anhenndt und fießen große khrallen gehabt wie die perrntazen) anthuen lassen.AUßdann sey er gewest wie ain perr . . . (folgen die Orte, wo er sich als Bär auf-gehalten hat) . . . inmaßcn er auch etlich oxen erlegt unnd umbracht habe, wievillcn aber khün er inn bedenckhung ime in sollicher zeit nit gewest, wie ain mennt-schen, nit recht wissen . . . 2 ) a )."
35. KUHSCHWÄNZE ALS ZAUBERMITTEL.
St. L. A. Sond.-Arch. Goß (Gerichtswesen). Gerichtsbuch des Frauenstifts Goß164g, S. iy in verso.
„Landtsmayr Schwaiger würdt gestrafft neben Verweisung des Gösserschengebüetts per 2 thallcr, umb willen er über wissen etlich frischling entfrembt, denkhüen die schweiff abgeschniten und solliche zue zauberey gebraucht*)."
36. DER „DIERLING" ODER „DÜRNING".
Kärntner Geschichtsverein Klagenfurt, Sammelarchiv „Hexen", 1653.
Strafprozeß des Landgerichts Albegg-Straßburg gegen Augustin Felsbergerinsgemein Eixl wegen Zaubereiverdacht 6 ).
Aus dem gütlichen Verhör des Beschuldigten vom 16. Juni 1653:
,,6. Mit seinem bruder Hänßl hab er sich erzürnt und im zorn ihme den dierlingoder dürning gewuntschen, welcher namb auf ihme gefallen, es solt etwa ein schrätl*)sein, er hab solchen aber nie gesehen."
*) Der weibliche Buhlgeist (suceubus) des Lauterfresser namens Belial.
a ) Über die in diesem Verhöre vorkommenden Zaubervorstellungcn vgl. Wuttke, S. 449(Hexenbrennen), S. n6, 307, 365 (Laubfrosch), S. 83ff., 267, 397, 465 (Kehricht), S. I3ff. (Leichen-teile Hingerichteter als Glückstalisman). In Samland herrscht noch heute derselbe Aberglaubemit den liebeerzeugenden und liebeabwendenden Knochen; nur werden diese aus einem Eulen-kopf genommen (Buschan, S. 329). Über die Wirkung von Leichenteilen Hingerichteter aufdas Schankgewerbc vgl. auch die zahlreichen Belege bei Ho vor ka-Kronfeld I, S. 86 ff. Zuerinnern ist auch an die Erzählung „Im Brauerhause" von Theodor Storm, wo der Diebsfingerals Glückstalisman für das Brauwesen als Motiv verwendet wird. Vgl. hierzu Heckscher,S. 36if.
s ) Der Bärenverwandlung (meines Wissens die einzige, die sich in alpenländischen Zauberei-prozessen findet im Gegensatze zu den viel zahlreicheren Wolfsverwandlungen) liegt die allgemeineVorstellung zugrunde, daß der Bär ein verwandelter Mensch sei (vgl. Peuckert, Art. „Bär"im Hdwtb, d. d. A. I, S. 881 ff.; H. Naumann, Art. „Bärenhäuter", ebendort I, S. 910; Müller-Bergström, Art. „Berserker", ebendort I, S. 1093ff.).
*) Offenbar handelt es sich hier um Zauber durch Viehhaare (vgl. Wuttke, S. 266, 438fr.,
443«0-
6 ) Behandelt von Hauser, S. 181 ff.
8 ) = Schratt, der in der Sagenwelt der deutschen und slawischen Alpenländer eine großeRolle spielende Elementargeist, der mit dem Alpglauben im Zusammenhange steht (E. H. Meyer,S. 133ff.) und daher als Plagegeist gewünscht werden kann (vgl. übrigens Grimm, S. 397ff.).Der Name „Dierling-Dürning" deutet auf Abdorren, d. h. Abzehren, die volkstümliche Bezeich-nung der Schwindsucht, die heute noch „Daarfieber" oder „Dorr" heißt (Hovorka-Kronfeld II,S. 34, 655 ff.). Demnach würde es sich um einen Tuberkulosegeist handeln.