Druckschrift 
Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22 VIEHZAUBER, WOLFSEGEN

30. VIEH- UND MILCHZAUBER.

(Siehe 10, 34, 48, 54, 63, 70.)

Original und Kopie im St. L. A. und im Stiftsarchiv Admont 1 ) 1614.

Aus dem gut- und peinlichen Bekenntnis des am 18. August 1614 vom Land-gericht des Stifts St. Lambrecht gerichteten Viehhalters Marx Schöpfer:

,,Mer sagt unnd bekhenndt, das er von einer prentlerin') wölichen namener nit waiß, gelernet habe, wenn die khüe nit khendten zum stier zuekhummen,so soll man die Stuben 9 mal khörn unnd daselbige khörach durchsähen unnd den-selbigen khücn unnder das gleckh 8 ) geben, so wurden die khüe alspaldt trägendt.

Mer sagt unnd bekhenndt, das er auch denen khüen die tritt außgestochenunnd dießelben der obbemelten prentlerin, alda er neben ir zu Hinteregg auf deralbm gehalten, zuetragen, solche tritt hab sy zu der zauberey gebraucht.

Mer sagt, das diese prentlerin zween frösch an ainer Stangen gehenckht, alß-dann dervon gemolchen unnd dardurch den andern khüen die milch enntzogen*)."

31. WOLFSEGEN.

(Siehe 32, 41, 53, 63, 64.)

St. L. A. Polizeiakten Z615. Beilagen von Landprofosenberichten. Die nach-folgenden zwei Wolfsegen sind Landstreichern abgenommen worden, und zwar derunter a dem Paul Muck, der unter b dem Hans Hofstetter 6 ).

a.

In gottes namen tritte ich herein, gott behüete euere rinder und schwein,gott behüet euch eure haus und euer hof, gott behüet euch eure treu und ehr,gott behüet euch euer leib und sei, also solt ir gesegnet sein, wie der h. opferwein,gleichwie das wahre himmelbrot, das gott seinen 12 Jüngern geben hat. Wol andem h. antlastag 6 ) treiben wir hinaus durch alle engelhaws, durch alle engelthal,das mein gott behüet wol überall. Da kommet der heil sct. Petrus wol mit demhimmelschlüssel, er versperret allen wilden thieren den rüssel, dem wolf als derwölfin, dem bern als der berin, dem zauberer als der zauberin, ir hendt, ir füeß,ir mundt, ir schlundt, das sie euch dieses jar kein vieche nit bezaubern oder machenwundt, daß kein heutel reißt, daß kein peintel peißt, kein blut laß und kein armenmann aus euch nit mach, das helfe uns gott der vater, gott der söhn und gott derh. geist, amen."

b.

In gottes namen tritte ich herein, gott behüt euch eure rinder und schwein,gott bewahr euch treu und ehr, gott bewahr euch leib und sei, also solt euer viechgesegnet sein, gleichwie der kelch und der h. opferwein, gleichwie das selig himmel-brot, das Jesus sein 12 Jüngern gab, wol an dem h. antlastag«). Da kamen diefalschen Juden gegangen, sie namen den herrn Jesum Chriest gefangen, sie schlugen

J ) Abgedruckt bei Zahn, Geschichtsblätter III, S. 136.

*) Sennerin. a ) Grünfutter.

*) Über die Zauberkraft des Kehrichts vgl. Seligmann, S. 144fr.; über den Zauber mitder Fußspur, derselbe, S. isjff.; über das zauberische Wegmelken fremder Milch, das sichhier in besonders origineller, anderswo nicht vorkommender Weise vollzieht, Wuttke, S. 158 ff.Vgl. R. Froehner, Von Hexen und Viehverzauberung. Heft 7 derAbhandlungen aus derGeschichte der Veterinärmedizin", 1925.

6 ) Abgedruckt bei Zahn, Miszellen, S. 440ff.

) Normal Gründonnerstag, seltener Fronleichnamstag.