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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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ZAUBERBÜCHER, GALGENMÄNNLEIN 17

ich dich, das du also muest herwider bringen in namen gottes vatters, sonnsund deß heiligen geistes 1 )."

Aus demInventar" über die Zauberbücher und -zettel des Beschuldigten vom4. Juli 1595:

Nr. 23. Item ein alts buechel, ist vor im eingang begriffen der brieff*), sovom himmel khomen, item mehr hernach khünstlen, so da ist, wan einer ein nater-zung nimbt und last zehen messen darüber lesen und nimbts hernach in den mundund blost sie in das schloß, so geet es auff; ittem wan einer ein feder von einerhaustauben aus der lingen flügel nimbt und hengt sie an ein roten seiden fadenund hengts an das haus, so mag niemand erwachen . ..

Nr. 58. In ainem papir zusamengebunden fünf galgenmandler 8 ), und ist beieinem ieden ein kreitzer gebunden, so zuvor in ein öl lamben in kirchen geworffenund wider heraus genomen worden sein sollen.

Nr. 63. In ainem gestrickhten sackl ain kuglete cristallen oder prilensteinzu nechstbeschribner beschwerung gehörig, sagt, hab die wol einmal gebraucht,darinnen nichts gesehen oder ausgericht; in ainem söckhel ein dreieggete cristallen,so uhngever einer spang lang sein möchte, sagt, hab die einmol probirt, aber nichtsausgerichtet und nicht gebraucht, und dan ein glid von einer keten, ob zuver-mueten, das es ein kettin von einem galgen sei, soll gut sein, sporen daraus zumachen, gehn die roß gestrackhs, und in einem kleinen söckhele etliche würmb 4 ),gradt von denen wurmen 8 ), so er selbst gepannt und seindt deß die wort: Osia,osia, osia, du schalckhafftige schlang, stehe still, wie der Jordan stuend, da S. Joan-nes unseren lieben herren getaufft hat in namen Gottes vatters, sohns und heiligengeists. Ain strickhl, daran einer gehangen, so der Maurer zu Ollang hergebracht;mehr ein kreiterbuch, sagt, hab es wohl gebraucht, den kreuteren darinnen nach-zusuechen."

Aus dem Verhör des Beschuldigten vom 7. Juli 1595:

Antwort auf die Frage, ob erkheine galgenmandler oder weibeler" gesehen,gehabt oder gebraucht habe:

Galgenmandler hab er nie kheins gehabt ... . . .; aber sigwurtz 6 ) habsein vatter bei sechs baren in einer scätel hinder sein verlassen, hab er drei baardarvon herausgenomen und in ein altes papir eingewickhlet und in der truchenligendt und soll farbensamen'), auch ein pfennig oder kreutzer darbei gebundenund mit roter seiden, viel goldt und etwaß solliches umbunden sein . . ."

Antwort auf die Frage, ob er nichts vom Galgen genommen:

. . . hab von der seit mit der wehr 7 ) schaidtelen herab gehackht und die-selben in die betstat gelegt, daß man kainer wantzen mehr darinnen gespürth;

l ) Der Anfang dieser Zauberformel klingt an die in vielen Zaubereiprozessen vorkommendeVerleugnungsformel an:Ich stehe auf diesem Mist und verleugne unseren Herrn Jesum Christ" usw.(vgl. Soldan-Heppe-Bauer I, S. 274).

*) Offenbar einer der bekannten, noch im Weltkriege vorgekommenen Himmelbriefe zumFest-machen". Vgl. H. Bächtold, Deutscher Soldatenbrauch und Soldatenglaube (1917) S. 17 ff.

3 ) Das Galgenmännlein ist die Alraunwurzel, die nach der Volksmeinung unter dem Galgenaus dem Samenabgang Gehängter entstand. Die echte Alraunwurzel (Mandragora) wurde viel-fach (hier mit Siegwurz [Gladiolus communis L.], so genannt, weil sie nach dem Volksglaubendurch Unverwundbarmachen Sieg verlieh) verfälscht (Marzell, Hdwtb. d. d. A., Art.Alraun").

4 ) Schlangen.

6 ) Siehe Anm. 3. Der beigebundene Kreuzer ist der Heckpfennig.

) Farnkrautsamen, ein ungemein häufig verwendetes volkstümliches Zauber- und Heil-mittel (Marzell, Pflanzen im deutschen Volksleben, S. 25ff.; Hovorka-Kronfeld I, S. 129).') Seitenwaffe.Byloff, Volkskundliches. 2