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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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16 BESESSENHEITSZAUBER, WETTERWEHREN

Aus dem gütlichen Verhör der Margareta vom 2. Oktober 1591 durch HannsHaifinger, Pfleger der Herrschaft Biberstein:

,,. . . vor zwayen jaren nit das grosse (seil. Hagelwetter), sonder das negsthernach, so durch die Gnessa 1 ) heraußganngen, hat sy und ire mitgesöllin hiob 2 )gemacht, unnd haben sich aldrei im anfanng gar ploß in der Gurggen 8 ) padt unnddas wasser dreimal über sich selbst gössen unnd ire gesöllin, haben auch paindazumal vergraben unnd sei daraus ervolgt ain wetter mit schnee unnd schauer 4 )."

22. BESESSENHEITSZAUBER, WETTERBESCHWÖRUNG, DIEBZAUBER,

HIMMELBRIEFE, SCHLOSSZAUBER, SCHLAFZAUBER, GALGENMÄNNLEIN,

GALGENHOLZ, GALGENKETTE, SCHLANGENBANN.

(Siehe XI, 18, 51; 13, 45; 20, 21, 26, 33, 34, 38, 43, 44, 46, 52, 53.)

Fürstbischöfliches Hofarchiv Brixen 1595.

Zaubereiprozeß gegen Christoph Gostner, Rotschneider und Wirt in Sexten vordem Gerichte in Heimfels bei Sillian im Pustertale.

Aus dem Verhör der Beschuldigten am 21. Juni 1595 (mitgeteilt nach der Dar-stellung von Hartmann Ammann, Die Hexenprozesse im Fürstentum Brixen,S.82ff., I44ff. und 227ff.J.-Antwort auf die Frage, welches Mittel er bei Besessenen zur Heilung verwendethabe:

Er zeigt an, das er von einem hechten das hertz und die leber genomenund die beseßne leuth, so bese geister bei ihnen gehabt, damit geraucht und einkholschwartze henne mitten von einander gerissen und auff den köpf gelegt unddarzu genomen gewürtz, nagelen, zimmet, muscatblüe, muscatnussen und solchesalles zu bülffer gestoßen und eingeben, so das hirn gesterekht und seien die besegeister von solchen außgetriben worden . . ."

Antwort auf die Frage nach der Art des sogenanntenWetterwehrens":Zeigt an, er khünne nit wissen, wie offt er gewert, allein wan (er) das wetteralso dickh und schwartz habe gesehen daher gehn, hab er gewerth als meist erhab khundt und gemacht und dasselbig wider zurücklich und hinderisch getriebenauff das höchste gebürg, da khein han kräth, kein mader meet, da khein ox lieet 6 ),da khein pluemb blieet, das es niemandt kheinen schaden thuet, und wie er ver-mein, so werde der schaur gleich zu wasser."

Antwort auf die Frage, was er zur WiederVerschaffung gestohlenen Gutes gebrauchthabe:

Was er darzu braucht, das sei das; er sei in ein stal gangen und gegen denmorgen nider knieet und gesagt: O Herr Jesu Christ, ich knie auff disen mist,schickh du dem dieb, ders gestolen hat, der besisten teufel drei, der erst zwingdich, der ander dring dich, der drit gehe dir in deine schuech, das dir dieb so wundtund wee sei mit dem gestolenen guet, alß deiner mutter ist gewesen, da sie dich hatbracht auff disen erdboden mit ihren krachenden lenden und henden, also lendt«)

*) Gnesau.

5 Die Blandl Pürschtenmacherin und die Gredl.

a ) Der Fluß Gurk.

*) Das Baden und das Werfen von Badewasser in die Luft als Wetterzauber ist eine in denAlpenländern überaus häufige Form des Analogiezaubers (similia similibusl) (vgl. Wuttke, S. 93;Grimm, S. 493ff.; für außereuropäische Länder Frazer, S. 101). Vgl. übrigens G. Gese-mann.

6 ) Dial. wiederholt brüllen. 8 ) Dial. = zwingen.