SEELENTIER, WETTERZAUBER 15
und wie es auf die erd khommen, sollen die paurn sambt etlichen geistlichen, sodabei gewest, dem freyman etwas gezaigt haben, was das sey, indem er einer widerdie natur großen khrotten 1 ) wargenommen, die fast aufgerichter dem wasser zu-geeilt. Wie der freyman die gesehen, hat er drey wasen für ir ausgestochen 8 ), diesich alsbald gegen im zurückgewendt, und wie er mit der hackhen auf sy hauenwollen, hab die khrot wie ein mensch gewinselt, und den khopf gezuckht. Denandern hieb hat er ir den halben khopf abgehauen, gleichfals ein vorder und hinderpratzen, darzu ein straich auf den ruckhen geben, volgends die khrot mit derhackhen ins feur geworfen. Darnach er etlich, so dabei gewest, angesprochen, dieim geholfen, das feur zuwerfen und den cörper herausziehen, an dem er diselbenstreich, welche er der khroten geben, befunden, und ir khlaider, die si angehabt,gleichfals, die nachmals auf der tratten ausser des Scheiterhaufen verbrunnen,den cörper er volgends zerstuckt und gar verbrent."
20. WETTERZAUBER.
(Siehe 21, 22, 26, 33, 34, 38, 43, 44, 4^)
St. L. A. Sond.-Arch. Stubenberg, Fase. 76 (Gerichtswesen), Heft 403. Gerichts-protokoll der Landgerichtsherrschaft Wurmberg 1385.
Aus dem gütlichen und hernach peinlichen Verhör mit Margarethe WilhalbmSchuesterin (Feber 1585*):
,,Mer sy Sabotnickhin und die anndern mitgespillin 4 ) sein mitgeflogen, diefedern, so man die Hüenner an Vaschanngtag hären thuet, und drey stain außdem pächlein bey Guetenhag in Aichach sambt dem wasser zu irer khunst gebrauchtund darüber dise wort: vor auß, und nindt an auf die weite Strassen do die weeg-schaidt sein 6 ), geredt, darnach sein sy und der schwarz Cäsperl 6 ) auf ain khruekhen')gesessen unnd drey mannspersonen vorn geflogen. Alsdann hab sich das schaurigswether alspalt erregt."
21. WETTERZAUBER.
(Siehe 20, 22, 26, 33, 34, 38, 43, 44, 46.)Kärntner Landesarchiv. Archiv der Herrschaft Gmünd, Nr. 44/XXIII, 1591.Zaubereiprozeß des Landgerichtes Biberstein (Himmelberg) gegen Mar-gareta, des Mertl an der Lapien Ehewirtin wegen Wettermachen 9 ).
*) Die Kröte ist im Vorstellungskreis des Zauberglaubens sehr häufig als Teufels- undZaubertier nachweisbar. Untet anderem nimmt der Hausteufel häufig Krötengestalt an; amHexensabbath werden Kröten mit der mitgebrachten Hostie gefüttert usw. Im vorliegendenFalle scheint die etwas verzerrte Vorstellung vom Seelcntier, die u.a. in Tirol dazu geführthat, im Allerscelcnglauben in der Kröte das Wohntier armer Seelen zu sehen, mitzuspielen; dieSeele der verbrannten Zauberin sucht zuerst in Vogel-, dann in Krötengestalt zu entrinnen (vgl.E.H.Meyer, S. 80; Wuttke, S. 117; Frazer, S. 26411.; Hovorka-Kronfeld I, S. 260 ff.).
2 ) Die drei Rasenschollen, die die Flucht der Kröte verhindern sollen, beruhen auf der Vor-stellung von der Schutzwirkung des Rasens vor Hexen. Vgl. übrigens Wuttke, S. 100 („Rasenist ein Schutz gegen Hexen"), S. 258 (wenn man den Hexenflug sehen will, muß man sich miteinem Rasenstück am Kopfe schützen), S. 259 u. a. Zur rechtshistorischen Stellung der Rasen-scholle vgl. Schröder- v. Künßberg, 304", 306"; Rasengang: ebenda 73 BO , 1023.
3 ) Bestandteil eines größeren Zaubereiprozesses, der wieder (wie häufig) aus vorausgegangenenZaubereiprozessen in Wurmberg und Gutenhag entstanden ist.
*) Technischer Ausdruck für Teilnehmerin an den Hexenflügen.
6 ) In zahlreichen Abweichungen sehr verbreiteter Hexenspruch, der älteste Beleg für dessenVorkommen in Steiermark (vgl. Soldan-Heppe-Bauer I, S. 534). 1510 in Tirol überliefert.•) Name des Teufels. ') Ofenkrücke.
8 ) Behandelt von Jaksch, S. 7ff., angezeigt von Wutte, S. 44.