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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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14 ALRAUNWURZELN, LEICHENTEILE

Die Beschuldigte hat den Tod von mehreren Personen herbeigeführt:

Durch ein Wasser, das sie aus Kröten und Eidechsen herstellte. Dann habesie ein Bild derselben Person angefertigt und in deren Wohnung, Keller od. dgl.gelegt."

17. TOTZAUBERN DURCH FRIEDHOFSERDE, LEICHENTEILE

UND GRABTÜCHER.

(Siehe 7, 59.)

Archiv der Stadt Wiener-Neustadt 1562.

Zaubereiprozeß des Stadtgerichtes Wiener-Neustadt gegen den TotengräberRupert Schlemer.

Aus dem peinlichen Bekenntnisse des Beschuldigten vom 10. März 1562 (zitiertnach Josef Mayer, III. Bd., S.139):

Der Totengräber von Baden habe ihm im vorigen Jahre gelernt, daß er Erd-reich von den Gräbern nehmen, es in die Gatter des Friedhofs stellen, auf denKirchsteigen und in den Gassen ausstreuen solle,damit das ehrlich sterbensoll" ". Vor etwa acht Wochen habe er ein beerdigtes, noch wenig verwestes Knäb-lein ausgegraben; dieses Kind habe er mit Haupt und Gliedern gesotten, einenWeihbrunnen daraus gemacht und dies in der Kirchengatter, auf die Kirchen-steige, in die Kirche und in die Gassen gesprengt, wo er das Erdreich ausgestreut.Auch die Leichen habe er mit dem Wasser eingespritzt, dasselbe auch im Fried-hofe an der Mauer gegenüber dem Bischofshofe ausgegossen. Seine Frau habeum alles gewußt und den Knaben selbst gesotten. Auch diese Sache habe ihmder Totengräber von Baden gelernt. Er habe Übertane von den Toten wegge-nommen und verkauft; von einem habe er einen Zipfel abgeschnitten und den-selben einer Frau gegeben, um damit eine Krankheit derselben zu vertreiben 1 )."

18. FALSCHE ALRAUNWURZELN.

(Siehe II, 22, 51.)

Archiv der Stadt Wiener-Neustadt, Nr. 55/4, 1571-

Ein Ehepaar von Hartberg hat im Jahre 1571 aus Armut und über An-reizung des bösen Feindes aus Rüben Sachen gemacht, die den Alraunen gleichsahen, und hat dieselben auch als Alraunen verkauft 2 )."

(Zitiert nach Josef Mayer, III. Bd., S. 139.)

19. DIE KRÖTE ALS ZAUBER- UND SEELENTIER.

St. L. A. Polizeiwesen, 12. Juni 1580 3 ). Bericht des steirischen LandprofosenJakob Bithner an die Landschaft über die Vorgänge bei der am 20. Mai 1580 inArnfels erfolgten Verbrennung der Butterhexe" Barbara Striglin.

Als sy ungefehr ein stund brunnen, ist sie jederzeit lebendiger im feuer ge-sehen worden, und soll aus dem Scheiterhaufen heraus wie ein fogl geflohen sein,

J ) Friedhofserde ist gleichmäßig als Glückszauber wie als Mittel zur zauberischen Schaden-stiftung brauchbar (Wuttke, S. 136, 368, 454, 744). Über die Bedeutung des Sprengwassersaus der gekochten Kindesleiche siehe Wuttke, S. 134, 614.

J ) Sollte die Fälschung nicht durch die rote Zaunrübe (Bryonia dioeca L.) bewirkt wordensein ? Diese wurde früher vielfach, zufolge einer gewissen Ähnlichkeit der Wurzel mit jener derechten Mandragora, dazu benutzt, um falsche Alraunwurzeln zu verfertigen und um teures Geldzu verkaufen. Die steirischen Landprofosen haben nach Akten im St. L. A. wiederholt fahren-den Leuten solche falsche Alraunwurzeln abgenommen (vgl. übrigens die Nachweise bei Märze 11,Kräuterbuch, S. 330).

*) Abgedruckt bei J. v. Zahn, Miszellen, S. 179. ">

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