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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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HEXENBRENNEN, ALRAUNWURZELN II

Wider Elß Heiligkrützin, die ist des mößners swester, lernt die leut, dazsie man verzaubern, daz sys nemen müssen und daz sy ein swartze henne kauffensollen, wie mans beit 1 ), und solten das hertze lebent daraß nemen und legen zwdem heimlichen end 2 ) und daz den mönschcn zw essen geben 3 )."

10. MILCHZAUBER (HEXENBRENNEN).

(Siehe 30, 34, 48, 54, 63, 70.)

Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 1485 (siehe Z. 3).

Zeugenaussage der Christine Ypfhoferin vom 6. September 1485 (a. a. 0., S. 20):

Trenlin Rötfelders dirn ist in argwon, daz sy den küen die milch nimpt,

wen ein person, der die milch gcnummen wart, gelernt, daz sy den milchkübel

yber das für hencken solt und solt den slahen in des tüfcls namen, so müst die

person kummen. Also gescha es, daz die person kam weinen und gehub sich übel*)."

11. ALRAUNWURZELN ALS PROZESSZAUBER.

(Siehe 18, 22, 51.)

Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 1485 (siehe Z.3).

Aus dem Verhör der Zeugin Elsbet Velklin,deren hat die person 5 ) der alrunenzwo geben, das sy es under die altardiecher legen solt", vom 8. September 1485:

Wider die Seützin in der vorstat die kan under die altardiecher alrun: undwen dorüber 9 meß werden gelesen, so kan sy kain urteil vor dem rechten ver-lieren«)."

12. JUDENEXKREMENTE UND LEICHENTEILE NEUGEBORENER KINDER

ALS ZAUBERMITTEL.

(Siehe 3, 13, 34, 39, 57; 3, 5, 8, 9, 34, 48, 55.)

Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 148$ (siehe Z. 3).

Aus dem Verhör eines (unbekannten) Zeugen vom 14. September 1485 (a. a. 0.,S.23):

(Die Aussage richtet sich gegen eine namentlich nicht genannte übel berüchtigteHexe in Hall bei Innsbruck.)

Contra eam deposuit primus testis . . ., quod tempore, quo ipse erat in eiusfamulatu 7 ), repetitis vieibus misit cum ad cloacas Judeorum in Yssbruck, ut destercoribus Judeorum inde apportaret, quod et interdum fecit, interdum omisitde aliis sibi apportando."

Ein anderer (ebenfalls unbekannter) Zeuge berichtet am selben Tage, daß eineFrau in Innsbruck den Erzherzog Sigismund bezaubern wollte, um dessen verloreneLiebe wiederzugewinnen, und zu diesem Zwecke einen Schüler zu der Hexe von Hall

l ) Wie man's beut (bietet), d. h. ohne zu feilschen. *) Schamteil.

s ) Eine Kombination von Opfer und Sympathiezauber (Wuttke, S. 366).

*) Ähnlicher Zauber, um Hexen zum Erscheinen zu zwingen, ist vielfach verbreitet. Wuttke,S. 258ff.:Wenn Vieh behext ist, so stellt man eine Pfanne über das Feuer und hackt mit derGrassichel hinein; die erste Person, die dann kommt, ist die Hexe (Wetterau)." Dazu zahlreicheandere Belegstellen.

*) Die unten erwähnte Seützin in der Vorstadt.

) Der Alraun als allgemeiner Glückstalisman zeigt sich hier in der Sonderanwendung alsProzeßtalisman (Marzell, Hdwtb. d. d. A., Art.Alraun", S. 319). Als Prozeßtalisman kommtdie Alraunwurzel auch in Norddeutschland, Schlesien, Thüringen und Hessen vor (Wuttke,S. 103). Vgl. auch das Schlagwort:Alraun" im Hdwtb. d. d. A.

') Das heißt als er in ihren Diensten stand.