LIEBES- UND TÖTUNGSZAUBER 9
Aus dem Zeugenverhör der Klörle (Clara) Lienhart (a. a. 0., S. 10) vom9. August 1485:
„Die alt Fenden hat gelernt eine, haist Richartin und ist ains auflegers haus-fraw, das sy solt oben auf den galgcn steigen und solt von dem diep etwas nemen,und wen sy domit wer anrüren, der müst sy liep haben 1 ). Ursach, warumb sy eslernte, was, wan die Reicharten hat ein dochter, die hat einer swanger gemacht,und der wolt ir kein gutes mer dun."
4. LIEBESZAUBER.
(Siehe 3, 5, 8, 9, 12, 34, 48, 55.)Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 1485 (siehe Z. 3).Verhör eines Zeugen (Name im Original unterdrückt) , vom 15. August 1485:„Ennli Forsterin in der vorstat ist ein pflegrin, hat dem Hanns Lamp eingroße nuß, halbsübergült, under das haupt geleit und sid der zeit hat er seinerfrauwen kein genad und wil sy erslagen und hengt an der Ennle; die ist wol zwfragen 2 )."
5. LIEBESZAUBER.(Siehe 3, 4, 8, 9, 12, 34, 48, 55.)
Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 1485 (siehe Z.3).Aus dem Verhör (mehrerer Zeugen) vom ig. August 1485:„Die alt Rendlin ist auch verclagt von ersten, wie sy den Cristan Engels-perger wolt von ersten verzauberen, darnach im vergeben, verzauberen zw derlieb, und er ir minne haben wolt und sy dunckt, er het ein ander do lieber den sy,do hat sy sich an im zwcimol versucht, einmol mit dreyen pfrinlin 8 ), dy sy in irerschäm getöt hat und zw pulver mit andern materien geriert im zw vergeben, dassy selber den gesellen erkennen must, und darnach mit pulver, darin vil beinleinlogen, das sy beslossen in einem brieflein gab einer personen, genant Steinil, won-hofftig ietz zw Meron, und die solt das pulver werfen zwischen den gesellen undder dürnen Magdalena, Wolfgangs eliche wirtin*)."
6. TÖTUNGS- UND ERBLINDUNGSZAUBER.
(Siehe 7, 15, 17, 59)Aus dem Innsbrucker Hexenprozeß von 1485 (siehe Z. 3).Aus dem Verhör des Zeugen Ulrich Pogner und seiner Hausfrau Margret (a. a. 0.,S. I4jf.) vom 21. August 1485:
„Wider die saittenmacherin an der Anbruck 5 ), die hat einem getrogt 8 ), derhat ir dochtcr, sy wolt machen, das er in eim iar must erhangen werden oder blindwerden. Argwon sweren und Wissenschaft het er genumen von seiner haußfrauwen,die do gesehen hat, das sy hör, das von des klagers haupt kummen was, und sy
*) Eine der vielfachen Formen des von dem Hingerichteten ausgehenden Glückszaubers(Wuttkc, S. 136ff., insbesondere Strack, S. 43ff.).
*) Nüsse sind ein Zeichen der Liebe; die vergoldete Nuß ist ein beliebtes Festtagsgeschenk(vgl. Wuttke, S. 110). Über die Rolle der Nuß im Liebeszauber vgl. Aigremont, S.8oJf.
8 ) Pfrille = Ellritze (kleiner Süßwasserfisch; aspratilis pelanus).
4 ) Über den hier angeführten Liebeszauber Wuttke, S. 365 ff-, und Hovorka-Kronfeld I,S. 175. Schon in den Bußbüchern wird diese unappetitliche Praxis der Weiber scharf getadelt(vgl. die Nachweise bei Schindler I, S. 694; über das „Dazwischenwerfen" Wuttke, S. 368).
s ) An (Oenus) = Inn.
*) Gedroht. Die Drohung richtet sich gegen den Ankläger, den Schwiegersohn der Beklagten.