8 LIEBESZAUBER
wider aus hab wollen geen, hab sy hinvor vor der tür auf dem mushaws 1 ) des pflegerschuch ligen sehen und davon ainen riem gesnyten. Und hat also die ding prachtder benanten ir mueter und der schafferin. Darnach haben sy sey aber geschikhtnmb ainen laym*), und als sy nu das und anders, so sy zu solhem genügt haben,beinander gehabt haben, da synd nu die Kathrey Porgätschin und die benantKathrey hernn Leonharts des Angerman schafferin, und auch die benant AnndlPartundlin all drey miteinander aus dem markht gegangen und haben aus denvorgenanten dingen ain pild gemachtt und als sy das gemachtt haben, seyn ainsnachts nach liechtzeit die vorgenant Kathrey herrn Leonharts schafferin, dieAndel Parttundlin und die benant Kätherl ir tochtter aus dem markht gein Grün-burg gangen und haben dasclbb under der prugken das obgenant pildl als ainesdawmbens tief eingegraben und darzu hat die schafferin ain hawen gelihen."
Aus dem Verhör der Kathrey, Herrn Leonharts des Angermann Dirn, vom Frei-tag vor St. Marien-Magdalenentag 1465 (ig. Juli):
,,. . . da hat aber die Porgätschin der schafferin gesagt, man müest darzu(seil, zum Krankheitszauber) haben des pfleger har, ainen ryem von seinen schuehen,aynen flekh seins gevannts und ain rypp von ainem todten menschen."
,,. . . Item sy bekennet auch, das sy und die Porgätschin und Parttundlinganngen seynn aus dem markht, zwischen des krewtz und des galigen dasclbsseyen sy zesamen all drey gesessen und die vorgenanten ding zu dem pild hatdie schafferin selbs hinaus getragen und auch selbs die rypp von einem todtenmenschen nahent ain spann langk auf den freythof zu sand Machor 8 ) genomenund die auch mitsambt ir hinaus getragen.
Item die schafferin hat aber gesagt, wann man das pild heben well, so mueßman machen ain krälel 4 ) mit zwain zügklein, damit mueß man es ausgraben, dannmueß man aber machen ain eysnemb pildel und das eingraben und den pflegerdarüber geen lassen, so werd er wider gesunt und zu dasselb pildel mueß manauch smiden ain tail von aym waffen 6 ) •)."
3. LEICHENTEILE GERICHTETER ALS LIEBESZAUBER.
(Siehe 12, 13, 34, 39, 57! 4, 5, 8, 9, 12, 34, 48, 55)
Fürstbischofl. Hofarchiv Brixen 1485.
„Der Innsbrucker Hexenprozeß von 1485." Von Hartmann Ammann.Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, III. Heft, S. 34 1 ).
J ) Mushaus = Speisesaal.
a ) Lehm.
a ) Slow, für St. Hermagor.
*) Kralle = Haken mit zwei Zinken.
6 ) Wahrscheinlich so zu verstehen, daß zur Erzeugung des Eisenbildcs ein Stück Eisen voneiner Waffe verwendet werden müsse. Die ganze Vorstellung beruht auf der magischen Wirkungdes Eisens (Seligmann, S. 161). Daselbst auch Anführung von Gebräuchen, die dem hier Er-zählten ganz ähnlich sind („In Deutschland legt man Eisen und Stahl gegen Behexung unterdie Türschwelle", S. 163). Vgl. im übrigen über den Bildzauber mit Wachsbildern, aber auchmit solchen aus Lehm, Teig und Eisen Grimm, Deutsche Mythologie, S. 913. Dieser Zauber gehtin das höchste Altertum zurück (siehe auch Mall, mal., p. II, qu. 1, cap. 5, II, 12).
•) Über den Bildzauber vgl. die Schlagworte: „Atzmann", „Bild, Bildzauber",, .Defixion",„Rachepuppe", „Schadenzauber", „Vergraben" im Hdwtb. d. d. A. Der Bildzauber ist einAnalogiezauber ; was man dem Bilde antut, spürt der Abgebildete.
') Es ist dies der berühmte Prozeß, den der von Innozenz VIII. in der berüchtigten Hexen-bulle: „Summis desiderantes affectibus" (1484) bestellte inquisitor haereticae pravitatis HeinrichInstitoris in Innsbruck anstrengte und der mit einer schweren Blamage des Institoris endigte(vgl. Rapp, S. uff., 16, 18, und Hansen, S. 385).