Druckschrift 
Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

AUS DEM 5. KLIMA 33

[S. 373] Aus dem Artikel LORCA.

... Zu seinen Wundern gehört ein Olivenbaum 1 ) in einer Kirche im Gebirge*).In jedem Jahr blüht er zu einer bestimmten Zeit, setzt Früchte an, bräunt undreift innerhalb eines andern Tages; er ist berühmt, und die Leute kennen ihn.Al-'Udhri erzählt, daß diesen Baum seine Besitzer und die sind Christenfällten. Sie taten das nur, weil zu viel Gäste um seinetwillen zu ihnen kamen undein Menschengedränge entstand. So blieb er eine Zeitlang abgehauen. Doch erschlug in der Folge wieder aus und ist jetzt noch so vorhanden. So erwähnt esal-'Udhri in den Monaten 3 ) des Jahres 450 (= 1058/59 D).

Ferner sagt er (al-'Udhri): Ibrahim ibn Ahmed at-Tartüschl erzählte mir: Ichhörte den römischen König sagen: Ich will an den Beherrscher der Gläubigen inSpanien ein Geschenk schicken; denn mein sehnlichstes Anliegen an ihn ist folgen-des: Es steht bei mir fest, daß in der geehrten Fätiha(?) eine Kirche und in ihremHofe ein Ölbaum sich befindet. Wann die Nacht des Weihnachtsfestes anbricht,treibt er Blätter, bildet Fruchtknoten und trägt noch vor Tage reife Früchte 4 ).Ich weiß, daß ihr Märtyrer einen herrlichen Platz bei Gott hat. Darum flehe ichseine Majestät an, die Gemeinde jener Kirche zu beschwichtigen und schön mitihnen zu tun, bis sie die Knochen jenes Märtyrers herausgeben. Wenn mir dieseszuteil wird, so ist das herrlicher als jeder Huldbeweis.

*) Andere Gewährsmänner verlegen den Ölbaum nach anderen Orten, vgl. Qazwint II, S. 367,Artikel Granada.

*) £1 haumati dschebelin; de Goeje (brieflich):Ich vermute, daß in dschebel ein Eigennamensteckt, im Gebiete von . . .'"

*) Vgl. Gustav Flügel, Über die Bedeutung des Ausdrucks . . . fi hudüdi sene mit einer Nach-schrift Fleischers: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, 5. Bd., 1851, S. 6off.

*) Zu diesem Volksglauben, dem auch die Äpfel am Weihnachtsbaum ihren Ursprung zuverdanken scheinen, habe ich in meinen Studien in arabischen Geographen, 4. Heft, S. 17072,ahlreiche Parallelen beigebracht. Vgl. auch Dozys Recherches, 3. cd. II, S. 390.

Jacob. Arabisch.- Berichte.