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Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert : ins Dt. übertragen u. m. Fussnoten versehen von Georg Jacob
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AUS DEM 6. KLIMA.

[S. 387] EBULDA (Fulda)

ist eine große Stadt im Lande der Franken, aus Steinen erbaut. Sie wird nur vonMönchen bewohnt, und kein Weib betritt sie 1 ), weil ihr Märtyrer es so angeordnethat. Der Name ihres Märtyrers ist Bädsch Mb (Baugolf) 2 ); er soll Bischof in Frankengewesen sein. Da brach Streit aus unter dessen Bewohnern 3 ), und er kam an diesenOrt und baute diese Stadt. Dieselbe ist eine große Kirche, die bei den Christenin hohem Ansehen steht.

At-Tarljüschi erzählt: Nie sah ich in allen Ländern der Christen eine größereals sie, noch eine reichere an Gold und Silber. Die meisten ihrer Gefäße, wie Rauch-fässer, Becher, Kannen und Schüsseln sind von Gold und Silber 4 ). Auch befindetsich dort ein silbernes Götzenbild 6 ) (sanam) in der Gestalt ihres Märtyrers 9 ) mitder Front gegen Westen. Ferner ist dort ein anderes Götzenbild aus Gold, dessenGewicht 300 ratl 7 ) beträgt, mit seinem Rücken mit einer sehr weiten und breitenTafel zusammenhängend, mit Hyazinthen und Smaragden besetzt; und es hatseine beiden Arme nach Weise eines Gekreuzigten geöffnet; es ist das Bild desMessias Friede über ihm. Auch befinden sich dort goldene und silberne Kruzifixeund Gedenktafeln, alle aus Gold und Silber, mit Hyazinthen besetzt.

[S. 388] ASCHT (Asti) 8 )

ist eine Stadt im Frankenlande. Al-'Udhri erzählt, daß sich in dieser Stadt einseltsamer Brauch findet, und der besteht darin, daß, wenn ihre Bewohner eine

*) Hessenland Nr. 20 (Kassel, 16. Oktober 1891):Es ist bekannt, daß die Stiftskirebevon Fulda seit Gründung des Klosters im Jahre 774 bis zum Jahre 1397 nicht von Frauen betretenwerden durfte. Erst der Fürstabt Johann I. von Merlau hob am 5. Juni des letztgenannten Jahresdiese Bestimmung auf. Und als zwei Tage nachher, am 7. Juni 1397 die Stiftskirche, von einemBlitz entzündet, niederbrannte, betrachtete das Volk dies als eine Strafe Gottes."

*) Zweiter Abt von Fulda (779802); über seine Verdienste um das Kloster s. Karl Arnd,Geschichte des Hochstifts Fulda, Fulda 1860, S. 2022. Baugulf erweiterte die kleine Kloster-kirche zu einer größeren Basilika. Karabacek wollte (Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgen-landes, 1898, S. 364ff.) aus Bädsch'lb Bonifacius machen, was mir bei der sonstigen Überlieferungder nordischen Namen durch Qazwlni, die im Gegensatz zu der bei Ibn Ja'qüb eine vortrefflichegenannt werden muß, gewaltsam erscheint. Allzu genaue historische Kenntnisse wird man beiTar^flschl nicht suchen dürfen; ihn interessierte zunächst die Kirche, und er fragte nach ihrem Er-bauer, auf den er dann das andere, was er hörte, übertrug.

*) Baugulf dankte infolge eines Zerwürfnisses mit den Mönchen ab; von diesen Streitigkeitenscheint man dem Tartüscht berichtet zu haben.

*) Hesscnland a. a. O.:Die alte Stiftskirche war in der Tat überaus reich an goldenen und silber-nen, mit Edelsteinen besetzten Gefäßen und Gerätschaften, die zum großen Teil verschwunden sind."

6 ) Daß sanam so zu übersetzen ist, zeigt der Vergleich mit dem Artikel Bänt und Arischa,woselbst für Statue süra gebraucht wird.

*) Der Märtyrer und der Bischof kann allerdings nur Bonifacius gewesen sein; Karabacekbemerkt a. a. O. S. 366, es handele sieb umein Rcliquiarium des Märtyrers in der bekanntenmittelalterlichen Büstenform aus getriebenem Silber". Es wäre allerdings das älteste Beispiel,denn bisher sind Kopfreliquiarien erst aus dem 12. Jahrhundert bekannt, vgl. Lehncrts IllustrierteGeschichte des Kunstgewerbes, Bd. 1, S. 265; Dehio,Geschichte der deutschen Kunst, 1. Bd., Nr. 409.

') Auch das Gewicht schwankt nach Provinz und Zeit beträchtlich; Redhouse bemerkt zuratl: a weight, in Syria, of about four pounds and at Bagdad, of about onc pound.

8 ) Mundartlich schon im Mittelalter Ast; romanisches s geben die Araber stets durch sehwieder. Karabacek, dem wir die Identifikation verdanken, sagt a. a. 0. S. 366:In der Tat mußteAsti, die alte Römersiedlung, im II. Jahrhundert als Handelsstadt Ruf und Bedeutung erworbenhaben, da Konrad II. ihren Kaufleuten freien Verkehr durch das ganze Reich verlieh."