VORBEMERKUNG.
Qazwini hat die Äthär al-bilad (Denkmäler der Länder), den geographischen Teil seinerKosmographie, in sieben Klimata (Zonen) eingeteilt, von denen das erste das südlichste und heißeste,das siebente das nördlichste und kälteste ist. Innerhalb jedes Klimas sind die Artikel alphabetischangeordnet, und zwar nach den Anfangsbuchstaben, nicht nach Weise der Wörterbücher. Zu-nächst gebe ich die Artikel des siebenten Klimas, welche sich auf das Abendland bezichen, in derReihenfolge des Originals, die auf den fernen Osten bezüglichen fortlassend; dann füge ich an,was aus den vorhergehenden Klimaten noch von Nachrichten zu finden ist, die eventuell auf unsereGesandtschaftsberichte zurückgehen könnten; ich glaube, es wird erwünscht sein, wenn ich lieberetwas zu viel, als zu wenig gebe. Nicht aufgenommen wurden natürlich Artikel, wie die aus IbnFadlän, dessen neu entdeckter vollständiger Reisebericht nun hoffentlich bald die veraltete Aus-gabe Frähns ersetzt, sowie gelegentliche Notizen über die Kreuzzüge und die Glaubenskämpfein Spanien, die in anderem Zusammenhang behandelt werden müssen. Eine neue kritischeQazwini-Ausgabe ist, da die von Wüstenfeld fchlerreich und zudem vergriffen und selten ge-worden ist, ebenso wie eine vollständige Übersetzung ein dringendes Desiderat. Die schon frühervon mir übersetzten Artikel sind von neuem mit dem Text verglichen und um manche für dasVerständnis wichtige Anmerkung, die ich zum Teil, was jedesmal angegeben wurde, den Zu-schriften von Autoritäten wie de Gocje und Suchier verdanke, vermehrt.
AUS DEM 7. KLIMA.
[Wüstenfelds Ausg. S. 410.]
DAS INNERE VON RUM.
Dort gibt es einen zahlreichen Stamm, der sich zum Christentum bekennt.Sie sind wie die Söhne einer Mutter, und zwischen ihnen besteht innige Liebe;man nennt sie Mtrschltja 1 ). Al-'Udhri erzählt, daß sich wunderbare Bräuche beiihnen finden. Wenn z. B. einer von ihnen den andern der Lüge zeiht, so messensie sich mit dem Schwerte; und das geschieht in der Weise, daß die beiden Männer,der, welcher Zeugnis ablegt und derjenige, gegen den Zeugnis abgelegt wird, mitihren beiderseitigen Brüdern und Verwandten hinausziehen. Dann gibt man jedemzwei Schwerter, von denen er das eine an seiner Hüfte befestigt und das anderein seine Hand nimmt. Und es beschwört derjenige, welcher der Lüge bezichtigtwird, daß er rein von dem sei, was man ihm vorwirft, mit Eiden, die bei ihnen fürgewichtig gelten, und es schwört der andere, daß das, was er über jenen aussagt,Wahrheit sei. Dann betet jeder Einzelne in einiger Entfernung von seinem Ge-nossen gegen Osten. Dann geht jeder auf seinen Gegner los (S. 411), und siekämpfen miteinander, bis einer von ihnen getötet oder abgeführt 2 ) wird.
Zu ihnen (den wunderbaren Bräuchen) gehört die Feuerprobe. Kommt näm-lich jemand in den Verdacht unrechtmäßigen Besitzes oder einer Blutschuld, sonimmt man ein Stück Eisen, welches man im Feuer glühend gemacht hat und liest
x ) Ich vermute, daß für SuJLwjllM des Textes jUaJLä Jai\ Ultraschilbana = Ultrasilvana(Siebenbürgen) zu lesen sein wird.
*) Der arabische Ausdruck janqäd „er läßt sich führen" entspricht genau.