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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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der ja auch die Kapelle geweiht war, in die Mitte setzte, wahrte er die ideal«"Haltung des Kultusbildes. Der Stall, die Tiere, selbst der heilige Joseph sindweggelassen. Die Könige knien auf der grünen Erde, auf der sie ihre Huldigungdargebracht haben, aber die Mutter Gottes thront vor dem Goldgrund wie aufder Himmelswiese. Eine prächtige Krone beschließt im Bogen das breiteOval mit den lichten Wangen und dem runden Kinn über dem vollen Halse das alte Meister Wilhelm-Ideal mit blühendem Leben erfüllt. Um den kleinenMund glänzt ein verborgenes Lächeln, wie die Jungfrau in ruhigem Mutter-glück auf das Kind herabsieht, das über ihrem rechten Knie auf dem Hermelin-futter des Mantels sitzt. Sorgfältig hält sie es mit der gespreizten rech-ten Hand, während sein Füßchen in ihrer linken ruht: es sitzt in reizenderSicherheit da mit seinen anmutig gerundeten Gliedern, trotz seines paus-bäckigen Köpfchens ein junger Gott! Die Jungfrau trägt ein blaues Kleidund blauen Mantel und vor der Brust eine große Agraffe; diese ist wiederoben mit dem Engel abgeschlossen wie bei dem Weltenrichter und der Madonnamit dem Veilchen, darunter aber sitzt Maria mit dem Einhorn. Hinter derThronenden halten zwei zierliche Engel einen Brockatteppich, dessen kühleFarben, Grün mit Blumen und Vögeln in Blau und Silber, die rosige Gesichts-farbe Marias hervorheben. In der Höhe schweben fünf andere Engel, vondenen einer auf den Stern hinweist. Die Bügel und Blumen der Krone sindunmerklich seitwärts gebogen, so daß die Taube auf der Spitze trotz der Nei-gung des Hauptes gerade in der Mitte sitzt. (Karl Aldenhoven, Geschichte derKölner Malerschule, 1902.)

ROGER VAN DER WEYDEN

Die beiden hier beschriebenen Bilder:Anbetung der heiligen drei Könige" undLukas die Madonna malend" hielt Goethe mit Boisseree für Werke Jan van Eycks.

Wir zweifeln hier keinen Augenblick, unsern Eyck in die erste Klasse der-jenigen zu setzen, welche die Natur mit malerischen Fähigkeiten begabt hat.Zugleich ward ihm das Glück, in der Zeit einer technisch hochgebildeten,allgemein verbreiteten und bis an eine gewisse Grenze gelangten Kunst zuleben. Hiezu kam noch, daß er eines höheren, ja des höchsten technischenVorteils in der Malerei gewahrte; denn es mag mit der Erfindung der Ölmalereibeschaffen sein, wie es will, so möchten wir nicht in Zweifel ziehen, daß Eyckder erste gewesen, der ölige Substanzen, die man sonst über die fertigen Bilderzog, unter die Farben selbst gemischt, aus den ölen die am leichtesten trock-nenden, aus den Farben die klarsten, die am wenigsten deckenden ausgesuchthabe, um beim Auftragen derselben das Licht des weißen Grundes und Farbedurch Farbe nach Belieben durchscheinen zu lassen. Weil nun die ganzeKraft der Farbe, welche an sich ein Dunkles ist, nicht dadurch erregt wird,daß Licht davon zurückscheint, sondern daß es durch sie durchscheint, soward durch diese Entdeckung und Behandlung zugleich die höchste physischeund artistische Forderung befriedigt. Das Gefühl aber für Farbe hatte ihm,als einem Niederländer, die Natur verliehen. Die Macht der Farbe war ihmwie seinen Zeitgenossen bekannt, und so brachte er es dahin, daß er, um nur

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