romanisch, das germanische Europa klassisch ist, daß die Namen Themistoklesund Scipio für uns einen andern Klang haben als Asoka und Salmanassar,daß Homer und Sophokles nicht, wie die Veden und Kalidasa, nur den litera-rischen Botaniker anziehen, sondern in dem eigenen Garten uns blühen, dasist Cäsars Werk, und wenn die Schöpfung seines großen Vorgängers imOsten von den Sturmfluten des Mittelalters fast ganz zertrümmert wordenist, so hat Cäsars Bau die Jahrtausende überdauert, die dem Menschen-geschlecht Religion und Staat verwandelt, den Schwerpunkt der Zivilisationselbst ihm verschoben haben, und für das, was wir Ewigkeit nennen, stehter aufrecht. (Theodor Mommsen, Römische Geschichte, 1854/56.)
DAS DEUTSCHE KAISERTUM
Die oberste politische Gewalt, das Kaisertum, das mit dem 10. Jahrhundertan die Deutschen kam, war dasselbe Imperium, welches einst bei der Über-wältigung der Völker der alten Kultur durch die Römer gegründet worden.Es trug den Namen des größten Mannes, den das Altertum in bezug auf innereAutogonien und äußere Organisationen hervorgebracht hat. Doch erst dieNachfolger Cäsars, die nach ihm ihre Würde benannten, haben dem Gemein-wesen eine feste Gliederung gegeben, durch welche den inneren Kämpfen,die es zerstört haben würden, ein Ende gemacht und seine Stellung in derWelt unwiderruflich bestimmt wurde. Es war eine den Frieden und dieMacht erhaltende Gewalt, die sich über den Orient sowie über den Okzidenterstreckte und auch einen Teil der germanischen Völker umschloß.Nicht in diesem Umfange war sie die Jahrhunderte daher fortgesetzt worden.Sie würde sonst das innere Leben der Nationen unmöglich gemacht undabsorbiert haben. Die religiösen Vorstellungen der alten Welt, welche, ur-sprünglich überall an lokale Dienste anknüpfend, jetzt in der Hauptstadtzentralisiert, dieser, ja dem Cäsar selbst eine göttliche Mission zuschrieben,konnten hierdurch doch weder befriedigt noch erschöpft sein. Die zweifel-hafte Übertragung der höchsten Gewalt von einem Herrschergeschlecht zumandern mußte immer neue Bewegungen hervorbringen, welche das religiöseAnsehen des Imperators erschütterten. Die Völker verlangte so nach einerReligion, die in ihnen selbst das Gefühl einer tief inner liehen, von diesenWechselfällen unabhängigen Gemeinschaft erzeugen konnte.Da war nun die Religion in der Welt erschienen, welche die universale zuwerden den Anspruch und die innere Macht besaß und in der das dem Men-schen innewohnende, allgemeine religiöse Bedürfnis wie in keiner andernbefriedigt wurde: das Christentum. Aber wie es nur durch persönlichenGlauben ergriffen werden konnte, so mußte es sich auf dieser Grundlage insich selbst organisieren. Es erhob sich in fortwährendem Widerstreit mitdem Kaisertum, dem es einen überweltlichen Gott, an den Dienst Jehovasanknüpfend, in gläubiger Verehrung entgegensetzte.
Endlich im Konflikte aller inneren Elemente des Lebens geschah es, daß dieKaiser selbst zu dem Gedankenkreis übertraten, mit dem sie bisher gerungenhatten, jedoch ohne im mindesten auf das lebengebende Moment ihres eigenen
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