Druckschrift 
Entwurf eines Lehr- und Studienplans für juristische Akademien, mit Rücksicht auf das Herzogthum Berg : nebst Beleuchtung der Ideen des Fhrn. von Proff und anderen über diesen Gegenstand
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

an der möglich größten Vorsicht, die hier angewandtwerden sollte! Ein Gericht nur mit wenigen Perso-nen besetzt hat nicht nur einen großen Hang zur Will-kür und Lässigkeit; es kann auch sehr leicht von denMachthabern gelenkt werden, die Gold, Ehre undWürden austheilen. Sogar ein großes zahlreichesTribunal, ein Tribunal, von dessen Mitgliedern Ge-burt, Rang und Vermögen gemeinschaftlich jedenVerdacht entfernen, kann, darf es eine zweyte Un-tersuchung nicht fürchten, auf hohe Winke achten,diesen folgen und das Recht beugen. In jedem Tri-bunal können Tonangeber sich heben und Wenige derMeuge gebieten. Und hätten wir auch Gerichtshöfevoll der redlichsten und weisesten Männer; so gebötedoch die Rücksicht menschlicher Irrthümer, dem Ge-richte, das eine Sache zuerst richtet, nicht die Endes-entscheidung zu überlassen. Der Grundsatz der Ap-pellation ist ein Geständniß unserer Gebrechlichkeitund sicher ist es der größte Beweis der menschlichenWeisheit, die Schwäche der menschlichen Beurthei-lung anzuerkennen.Die richterliche Gewalt ist für die Unterthaneneine sehr furchtbare Gewalt. Sie entscheidet überEigenthum, Leben und Ehre; sie bleibt, aller Vor-sichtsmaßregeln und aller Einschränkungen ungeachtet,immer noch in gewissen Rücksichten eine arbiträreMacht; und wir haben Einer Person und EinemGerichtshofe diese Macht ganz übertragen können.Man hat einem Einzigen diese Macht in der Türkeübergeben; und alle Welt weiß, welche Urtheile fürkische Richter fällen konnten. Verderbniß des mora-