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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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ängstlich nach Köpfen Ausschau hielt, die dem Deutschen eine neue Ar-tung und Haltung verbürgen könnten, so schlössen die Klügsten schonden kalten Tatsachenmenschen wie den tatabgewandten Weisheitslehrerund ebenso den geistfremden Welt- und Geldwirtschafter als Möglichkeitenfür eine Neubildung aus, weil keiner von den damals oft genannten, heuteschon halb verschollenen Vertretern dieser Art überhaupt eine maß-setzende Haltung hatte, weil keiner von ihnen aus innerer Notwendigkeit,aus dem seelischen Aufbau seines Wesens und Werkes nur einen zurei-chenden Grund für sein Dasein, viel weniger für eine vorbildlicheMenschlichkeit darbot. Die Willigen und Widerwilligen blieben nach allenvergeblichen Versuchen mit eintägigen Größen immer wieder an der Ge-stalt Georges haften, weil bei ihm unbezweifelbar Werk und Schicksalmit der Erscheinung seiner Person eins war. Und mochte man immernoch, weil man gewohnt war von der Masse her und auf die Masse hinzu sehen, an der unmittelbaren Wirkung seiner Gestaltungskraft auf dieZeitgenossen zweifeln, man konnte nicht leugnen, daß sich in ihm alleinein männliches Vorbild von leibhaftsicherer Haltung, ein geistiges Füh-rertum von höchster deutscher Artung verwirklicht hatte und daß seineleibliche und geistige Gebärde schon unauslöschlich in die Seelen der Ju-gend gedrungen war. Dieser letztere Vorgang hatte freilich eine größereund dichtere Wirklichkeit als solche Betrachter meinten. Unter der Geor-geschen Jugend ist nicht irgendeine allgemeine unfaßliche Jugend zu ver-stehen, welche den Dichter nach einer schnellen rauschhaften Aufnahmebald wiederüberwunden" hatte, noch jene die verzichte"nd vor der har-ten Gewalt dieses Bildners beiseite trat, sondern seine Jugend: nicht dievielen, sondern die wenigen, vor deren unbedingter Hingabe an den Mei-ster und sein Werk der Bürger sich bekreuzigte, weil er an ihnen eineÄhnlichkeit der Haltung, ja eine gewisse gleiche Grundart der Züge, einegemeinsame Annahme und Ablehnung in wichtigen Lebensfragen, ja einegewisse Übereinstimmung in der geistigen und sprachlichen Führung bisauf Schrift und Lesung bemerkte Dinge, die ihm, wie wir geschilderthaben, als Verrat an der freien Persönlichkeit, als unmännliche Nach-ahmung, als Mangel an schöpferischer Eigenkraft erschienen, nur nichtals das was sie waren: als leibgewordene Sitte und Übereinkunft der le-bendigen Gemeinschaft um George, als freier Ausdruck der Menschenart,die er gestaltet und erzogen hat, als unverkennbares Zeichen, daß es heutein Deutschland den Georgeschen Menschen gibt.

Es war freilich gleichgültig wer den blauen Frack und die gelbe WesteWerthers trug und ist freilich gleichgültig wer nach dem Wort einesSpottvogelsdie viermalgeschlungene Kultkrawatte Georges" trägt,

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