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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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aber es ist nicht gleichgültig ob Deutsche, wie ehmals vom Geiste Goe-thes, so heute vom Geiste Georges so tief durchdrungen werden, daß ihrTun und Lassen in allen Lebensäußerungen vom Herzen bis zum Fingerdavon bedingt und geformt wird. Wo wirklich das Äußere der Spiegel desInnern ist, wird auch das scheinbar Äußerliche zum Zeichen der gewonne-nen Lebenseinheit und ihre Darstellung in Werk und Gebärde der selbst-verständliche Ausdruck der in ihr verbundenen Menschen. Erst wo einSchöpfergeist die Seelen einer Gemeinschaft mit solchen Fäden bindet,daß alle ihre hellen und dumpfen Triebe danach streben, sich in tausendZeichen der Gestaltung als Träger des einen hohen und schönen Lebenszu erweisen, kann eine Gesamtbildung, eine Kultur, und ihre Darstellungin einer einheitlichen Kunst entstehen. Kein noch so tiefes Wissen umvergangene Formen, keine noch so gewaltige Mechanik wir wissen esheute nach mehr als hundertjährigen Versuchen kann das eigentüm-liche Gepräge, kann den lebendigen Stil ersetzen, in dem Geist und Seeleals sinnlicher Leib in allen Formen des Lebens erscheint. Die Griechenhaben ihre gesamte Bildung auf Homer zurückgeführt, von Giotto bis zuMichelangelo und Raffael wußten die Künstler was sie Dante verdankten,der Bildhauer Rodin hat uns vor den Kathedralen der Gotik auf die gro-/ ßen Hymniker des Mittelalters gewiesen:Der Dichter war es, der denWerkmeister geleitet und recht eigentlich die Kathedrale errichtet hat'und in unseren Tagen bekannte der Baumeister:Es kann nicht verschie-dene Künste geben, weder bildende allein noch dichtende allein, sondernnur einen schöpferisch gestaltenden Geist, dessen Werk nicht Bild son-dern Tat, seine Form ist.--------Aber der Tat, der Form vorauf schreitet

der Künder im Wort". (Paul Thiersch im 2. Jahrb.) Wie immer und jewird auch heute der Dichter als der Künder und Schöpfer des neuen Le-bensdas Wunderwerk der Endlichkeit" unter den Deutschen gestaltenoder es wird niemals mehr aus ihnen erwachsen. Aus seinem Gedicht istdie neue Seele, aus seinen Händen der neue Mensch, aus seiner Gestalt dieneue Gebärde hervorgegangen, in seinem Werk sind Musik und Malerei,Bildnerei und Baukunst im Keime vorbestimmt und erst dadurch, daßdies heute schon weithin spürbar und sichtbar ist, hat unsere Geschichte,wie wir sie hier geschrieben haben, ihren Sinn.

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