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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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Niemand verfiel darauf, diesem Antlitz eine allzu lockere weichlicheFügung zu geben und selbst wo seine traumhafte Entrücktheit erscheinensoll, wie bei Lechter, hat es noch das Merkmal der Spannung nicht derGelöstheit.

Auch an der plastischen Nachgestaltung Georges haben sich einigeKünstler versucht. Die meisten scheiterten schon am Beginn und etwaeine erhaltene bemalte Gipsbüste von Max Klein (Abb. Der Tag, 111. Beil.Jan. 1903) ist wohl zu ungeistig. Für unsere Plastik lag das Problem derkünstlerischen Form am Ende des 19. Jahrhunderts noch schwieriger alsfür die Malerei. Es bedurfte fast mehr als anderthalb Jahrhunderte bisWinckelmanns Griechensicht ganz begriffen wurde: erst als Goethe, Höl-derlin, Nietzsche, George die augenhafte Fähigkeit erweitert und denSchicksalsbegriff von Hellas vertieft hatten, als nun auch Erde und Meereinige der schönsten Bildwerke entließen, wurde der Sinn für das heroischeMenschtum der Griechen und damit auch für ihre frühe und hohe Plastikwach und manches bisher Verschleierte faßbar.

Dem älteren deutschen Bildhauergeschlecht fehlte aber gegen Ende des19. Jahrhunderts jede Kenntnis einer heldisch-gehobenen Menschenart.Selbst wo das erhobene Pathos der Antike sie vom Klassizismus her nochin Bann hielt, zehrten sie vom abgeblaßten Ideal einer gipsabgüssigenSchönheit, die nicht unseres Wesens war und unter dem Einbruch derneuen Kunstschulen völlig zerbrach als welche an Stelle des altenIdeals das der psychologischen Runsen, problematischen Flecken und ple-bejischen Striemen setzten. In diesem Bruch der letzten Überlieferungwurde die ganze Not erst recht offenbar: daß nämlich alle Versuche derKünstler ein Tasten ins Leere waren und bleiben mußten, wenn es keineGemeinschaft mehr gab, deren geistiger Gehalt den Formen der bildendenKunst erst die zwingende Gesetzlichkeit und sinnbildliche Gewalt verleiht.In Deutschland ja in Europa gab es keine Gesellschaft mehr, die demKünstler die geistige Verbindlichkeit der Zeichen und Formen bewahrthätte. Es war freilich ein hartes Wort, das den bildenden Künstlern ausdem Munde Georges etwa so entgegendrang: Wenn noch keine heiligenOrte für den Bau euerer Hallen und Bildwerke da sind, wenn es nochkeine Wände gibt euere Gesichte aufzunehmen, so wartet, tut das Mög-liche und sorgt am Kleinen, daß das Können nicht erlischt.

Damit das geistig-heroische Pathos Georges in Bau und Bildwerk g^'staltet werden könnte, waren erst Menschen zu bilden, die es faßten, erstder Raum zu schaffen, in dem es gesehen werden konnte: in dem durchden klassizistischen Schleier auch wieder die sengende Glut und erhabeneGrausamkeit des Apoll von Olympia, des unbarmherzigen Treffers, er-

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