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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
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unter allen Bildnissen am besten das unnahbare verschwiegene ErfülltseinGeorges ausdrückt, aber es nicht zu einem Insichgekehrtsein umfälscht,sondern ihm gerade seine herbe Weltzugewandtheit läßt. Diese von Lep-sius gegebene Seitenansicht ist an Linienaufwand von einer Kargheit undSparsamkeit ohnegleichen. Gerade dadurch erscheinen die Grundzüge desGesichtes in einer reinen klaren Schönheit von unwiderstehlichem Zauber:metallisch verschlossen aber denkend ist die Doppelwölbung der Stirn,schweigsam aber sangbereit der Mund, die Ohrmuschel groß und lau-schend, das Auge, halb unter den Lidern verborgen, sendet den löwen-lauernden Blick nach außen mit dem schnellen Blitz der Beobachtung dernichts entgeht. Der scharfe Schnitt des Gesichtes ist von Lepsius amsichersten getroffen, aber mit einem Verlust an sinnlich-stofflicher Fülleerkauft worden. Lepsius selber glaubte das Vielfältigbewegte von Georgebesser farbig erfassen zu können, es war sein Kummer, daß er bei solangem nahen Verkehr kein Gemälde des Freundes geschaffen hatte. Inspäten Jahren hat er endlich einen seiner Entwürfe ohne die AnwesenheitGeorges ausgearbeitet und Sabine Lepsius hat ihn als nachgelassenes Werkvervielfältigen lassen (Verlag Bondi). Aber es bekundet deutlich, daßgerade die Richtung auf das rein Malerische für die Gestaltung desGeorgeschen Bildnisses hinderlich war. Der Holzschnitt ist weitaus tref-fender: eine schnelle und sichere Lösung. Den Versuch im Gemälde einengrößeren Reichtum an Farbigkeit und Körperlichkeit zu gewinnen, büßteLepsius gerade vor dieser Gestalt mit dem Verfehlen dessen, worin sonstseine besondere Fähigkeit lag: sein Bild läßt die Innerlichkeit vermissen,die in diesem Falle nicht durch komplizierte Flächen und Brechungensondern nur durch die Darstellung einfacher plastischer Formen zu er-reichen ist. Das Tathafte und Leidenschaftliche Georges, das Lepsiusdurch starke Bewegungen auszudrücken versuchte, wurde zu einer ge-preßten und fast übertriebenen Gebärde, die mehr etwas von einem Schau-spieler oder Volksredner hat als von dem Bändiger aller Formen.

Die im Strich überscharf bewegte Zinkätzung von Paul Hermann (Paris1900) gibt uns vielleicht die wilddurchfurchtesten und leidenschaftlichstenZüge Georges, hat aber auch den sicheren Herrenblick und das kaummerkliche aber allen Aufruhr stillende Lächeln des Wissenden um dieLippen.

Die überlebensgroße Zeichnung des Georgekopfes von Max Klinger(^07) haben wir nicht gesehen, sie soll nach den Worten des Dichterseine Note ins Gewalttätige haben. Die Züge Georges verlocken offenbar dieKünstler, ja auch die wenigen Karikaturenzeichner, die sich an ihm ver-suchten, meist zu einer Steigerung des Ausdrucks ins Allzugespannte.

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