stes hinter dem Wall der Brauenknochen und in allen Zügen die gefahr-verachtende Kampfbereitschaft bis zum Letzten.
Kurt Stoeving hat dann 1897 den Dichter des JAHRS DER SEELE ineiner schwarzen Kreidezeichnung auf grauem Papier (Abb. als Vorblattzu Klages, Stefan George) und 1899 den des TEPPICHS in einem Erz-relief mit dem lebensgroßen Kopfe Georges (Abb. Leipz. 111. Ztg. 1902)festgehalten. Ein Lichtbild, das Stoeving selbst zur Zeit der Entstehungder ersten Zeichnung aufnahm (Abb. im Londoner Candid Friend und inR. M. Meyer, Die deutsche Literatur im 19. Jahrh.) gibt uns die Mög-lichkeit, die künstlerische Umsetzung der leiblichen Wirklichkeit fast Zugum Zug zu verfolgen. Das Lichtbild hat die schärfste Profillinie und zeigtdadurch das wundervolle Verhältnis der drei Längsteile von dem wirsprachen, das Schmale, Verzehrte kommt deutlich zum Ausdruck. Stoe-ving hat auf diese schärfste Ausprägung des Profils durch eine leichteDrehung zur Vorderansicht verzichtet, um die Breite der mächtigen Stirn-knochen, den wuchtigen Nasenansatz und die volleren Mund- und Kinn-formen zu gewinnen. Dadurch verliert er die volle Ansicht der kenn-zeichnenden Ohrlinien und die tiefen Schläfen und Wangenflächen überUnd unter dem quergespannten Jochbogen. Die Züge des StoevingschenBildnisses werden so trotz der breiteren Sicht weicher und weniger pla-stisch, trotz der reicheren Lippen- Nasen- und Brauenlinien weniger sinn-lich bewegt als die des Lichtbildes: selbst der Blick des Auges bleibtzurückgehalten und innerlich, während er auf diesem scharf beobachtendnach außen gerichtet ist. Was Stoeving gibt, ist der Dichter höchsterBildung und feinster Geselligkeit in einer adligen Ausgeglichenheit derKräfte, was das Lichtbild zeigt ist ein Menschenhaupt von innerlichbrennender Glut unter dessen schlichten Formen noch eine Welt vonkünftigen Bildungen schlummert. Stoevings Bild ist schön in der zartenNachfühlung aller reichen und vornehmen Linien dieses Jünglingskopfes,das Urbild ist einfacher, nackter, härter, männlicher.
Die Bleistiftzeichnung des Georgekopfes von Melchior Lechter aus demJahre 1900 ist eine Studie für das Dichterantlitz auf dem Temperagemälde-Die Weihe am Mystischen Quell" im Kölner Pallenbergsaale (Kunst-gewerbemuseum). Sie beruht auf einer genauen Kenntnis der Maßverhält-nisse des Georgeschen Kopfes, aber der Ausdruck wird durch den beson-deren Zweck, dem die Vorstudie diente, bestimmt: das geschlossene Auge,der zum Trinken geöffnete Mund, das weit vorgestreckte eckig wirkendeKinn, der hagere Hals sind ebenso wie Kronreif und Ordensgewand durchdie kniende Lage vor der Priesterin bedingt, die dem nach langer MühsalErmatteten, vom Harren verzehrten Pilger vor der Pforte des offenen
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