Phasen und Wandlungen Georges im Bilde wiederzugeben: den stolzenHerrscher des ALGABAL und den ritterlichen Beter der SAGEN UNDSÄNGE, den sinnenden Dichter des JAHRS DER SEELE mit den Dante-zügen und den finsterernsten Meister des TEPPICHS. Die beiden Seitendes Georgeschen Wesens, Kraft des Willens bei hohem Zielbewußtseinund Tiefe des Sinnens bei klarer Gedankenarbeit sind seiner Darstellungam besten gelungen. Die beiden bekanntesten Steinzeichnungen, das Profil-bildnis mit dem Colleonistandbild im Hintergrunde und das ganz von vorngesehene lebensgroße Abbild des Kopfes aus der TEPPICH-Zeit geben dasUnbekümmert-Stolze wie das Drohend-Kühne des Dichters, den herri-schen Nackenwurf wie den durchdringenden Blick der Augen, wenn auchim Maß zu gewaltsam, doch groß in der Auffassung wieder. Von den in denJahren 1893 un d r894 entstandenen Bildnissen Georges, der Radierungvon Herrmann Schlittgen (Abb. Bl. f. d. Kunst II, 1) und dem Ölgemäldevon Gebhard Fugel (Abb. Allg. Kunstchronik Heft 23) werden in derersten kaum die großen Umrißlinien richtig wiedergegeben und die Einzel-züge zugunsten einer spirituellen Blässe völlig verflüchtigt . . dagegen hatFugel in dem Kniestück des sitzenden George, auf dem auch die adlig-schöne lebendige Hand mit den kräftig gegliederten Fingern sichtbarwird, eine wohltuende Einheit für die wesentlichen Merkmale gefunden-Es ist bei guter altväterlicher Malweise eins der besten Bildnisse Georgesaus der Frühzeit, man sieht auf ihm die zarte Beeindruckbarkeit und Ver-letzlichkeit eines leicht erregbaren und stets entflammbaren Tempera-mentes mit der Festigkeit und Unüberwindlichkeit eines früh geschultenWillens gepaart, Schnellkraft mit Ausdauer, blitzenden Zugriff mit ruhigerWürde. Die gepflegte Haltung erinnert etwas an den Diplomatentyp, mirdem man George damals in seinem äußeren Auftreten verglich.
Zwei oder drei Jahre später hat Jan Toorop in den glücklichen hollän-dischen Freundschaftstagen eine Bleistiftzeichnung und eine Radie-rung des Georgeschen Kopfes gefertigt. Von letzterem sind nur wenig eAbzüge vorhanden, da die Platte, welche noch den Kopf Verweys nebendem Georges aufnehmen sollte, bei der Ausführung dieser Arbeit ver-dorben wurde. Die Radierung von Toorop ist trotz einer geringen Ver-zeichnung der Nasenlinie das erstaunlichste Bildnis Georges aus jenenJahren. An ihm erkennt man erst, was alles die anderen Künstler in dieserZeit noch nicht gesehen oder nicht haben gestalten können. Der tem-peramentvolle Strich Toorops gibt die ganze königliche Leidenschaftlich-keit des Herrn der HÄNGENDEN GÄRTEN, aber ohne eine entsagendeNote, wieder: mit dem ebengerichteten Blick des heldischen Menschen,der forscht und befiehlt, der ehernen Sicherheit des geheimnisvollen Gei-
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