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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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die Maler der Zeit vor dem Bildnis Georges zu ringen hatten. Sie standenalle vor einer ihrem Sehen und besonders ihren Mitteln noch unerfaßlichenErscheinung. Der Uberlieferungsgrund, auf dem sie hätten stehen können,war damals vollständig zerbrochen, sie waren Einzelne, die entweder imBewußtsein der Notwendigkeit einer Stileinheit sich inbrünstig an eineschon versunkene Vergangenheit, die der Gotik, der Niederländer oderandre anlehnten . . oder solche die alle Bindungen verschmähten und freiaus dem Urgrund des menschlichen Nichts und der menschlichen Hefeeine neue Schöpfung hervorzaubern wollten. So weit sie George nahekamen, spürten sie wohl den Abstand des Dichters von den geschicht-lichen wie gegenwärtigen Lebensformen, und die ihm befreundet wurden,sind liebend und verehrend ein Stück des Weges mit ihm in die neueLandschaft der Dichtung geschritten. Aber keiner ging nach der großenWende im Dasein des Dichters die Bahn mit ihm weiter und erhielt denverwandelten Blick für die neue Menschlichkeit. Jeder hat, soweit seinEinzelblick in die Welt Georges reichte, mit seinen individuellen Kräftenund Mitteln sein persönliches Bildnis der Dichtergestalt geschaffen unde ine besondere Seite an ihr festgehalten, ohne zu einer völlig überzeugen-den Darstellung des Ganzen zu gelangen, wie Tizian beim Bild Karls V.,Bellini des Loredano, Velasquez des Innocenz.

Karl Bauer hat seit der ersten Bleistiftzeichnung des George-Kopfesmit kurzem Haar im Jahre 1892 und der Ölfarbenskizze des folgendenJahres in scharfem Profil auf goldenem Grund mit glasfensterartigenKonturen immer wieder von neuem den Versuch aufgenommen,das(gleich dem Goethes) unerschöpfliche Gesicht Georges" im Bilde zu ge-stalten. Mehr als ein Dutzend Zeichnungen, Ölgemälde und Pastelle, Ra-dierungen und Schnitte von der ganzen Gestalt Georges, seiner Halb-figur oder seinem Kopfe entstanden in den ersten anderthalb Jahr-zehnten der Freundschaft beim häufigen Zusammensein der beiden inMünchen, zu denen später noch einige Abwandlungen aus dem Gedächtnistraten.

Auch Hofmannsthal, Wolfskehl, Klages, Perls, Gundolf und andereGlieder der Münchener Blättergemeinschaft hat Bauer in der Frühzeitm >t Stift und Pinsel festgehalten und einige von ihnen zu einem Gruppen-bild vereinigt (eine Skizze davon in der Daheim-Nummer vom 16. Mai: 9i4). Wie wir schon erwähnten, haben die zahlreichen Bildnisse vonBauer die Gestalt und besonders den Kopf Georges in der deutschenÖffentlichkeit am meisten bekanntgemacht. Er hat ihn als weltmänni-schen Großstädter wie als rheinischen Wanderer mit der beliebten Basken-mütze gekennzeichnet . . aber vor allem lockte es Bauer die dichterischen

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