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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
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mächtige Größe sondern durch ein besonderes Verhältnis ihrer Formenzueinander. Seltsam ist der überraschende Wechsel zwischen Seiten- undVorderansicht des Georgeschen Kopfes: er erscheint in der Seitenansicht beialler Herbheit Strenge und Wucht der großen Linien und Ebenen schmal,langgezogen und von urbaner Reizbarkeit, dagegen in der Vorderansichtbei aller lebendigen Bewegtheit und Vielfältigkeit der Schatten und Lich-ter breit, trotzig-bewehrt und von fast erdnaher Dauerhaftigkeit. Daßdennoch kein eigentlicher Gegensatz zwischen beiden Ansichten statthat,haben Kenner der Mienenkunde schon bemerkt: uns scheint dies nebender steten Lebendigkeit des geistigen Spieles in diesem Antlitz vor allemauf der plastischen Grundart des Georgeschen Kopfes zu beruhen, dessenvolle Erscheinung erst bei der Erfassung des ganzen Baues sichtbar wird.

Alle die genannten Formen haben, wie gesagt, der Veränderung durchdie Jahrzehnte widerstanden, aber wenn wir eine Reihe von Lichtbildernvom zwanzig- bis zum sechzigjährigen George betrachten, so sehen wirwie in einem Schicksalsbuche seinen Lebensweg in ihnen aufgezeichnet.Die zarte Rundung des Kinns, die schöngeschwungenen Linien der Nasen-flügel und Wangen werden herber und eckiger . . der volle lebensfroheMund preßt die Lippen strenger, verachtender zusammen und schon nachder Mitte des dritten Jahrzehnts erzählen die tiefen Seitengruben vonschweren Kämpfen und Schmerzen . . die Wölbungen über den Augenwerden lastender drohender, auf der gefurchten Stirn ballt sich das Ge-wölk einer einsamen Weisheit und zwischen den kaum angedeutetenBrauen steht die herrscherliche Senkrechte eines nie ermüdeten Führer-willens. Das Haupthaar behält seine wuchtige Fülle, aber durch sein gold-käferfarbenes Braun ziehen sich frühzeitig die grauen Fäden der Nach-denklichkeit und lange vor dem Alter wurde es völlig weiß. Die gleich-mäßig olivenfarbige Haut, die nur in den Augenlidern einen dunklerenTon hat, blieb unverändert, aber sie straffte sich mit den Jahren nochfester über das innere Gerüst und ließ die starken Jochbeine deutlicheru nd kantiger nach außen treten als auf den früheren Altersstufen.

Die wesentliche Wende von der strahlenden regsamen Jugendlichkeitdes Bildnisses zum ernsten schwermütigen Ausdruck des Manntums fälltn ach dem JAHR DER SEELE, die stärkere zur Prägung des stoßkräftigenharten Tätertums, zu den leidbeladenen aber auch leidüberwindenden Zü-gen des Bildners und Führers in die Zeit der Entstehung des SIEBENTENKINGS. Einige Züge von weiter Milde und weiser Güte sind seitdemdeutlicher geworden, aber keiner spricht auch heute von weicher Duld-samkeit, kein Zug meldet von einem verborgenen Bruch oder fressendemZweifel und nie hat ein Hauch von Ekel oder Neid dieses Antlitz berührt.

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