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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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wie die unverrückbaren Grundlinien im Laufe der Jahre aus zarten An-fängen immer stärker hervortraten und wie sich innerhalb ihres ehernenRahmens die Runen des Lebens immer tiefer eingruben. Unverändertbleibt die fast kugelhafte Gesamtform des Kopfes mit der Achsengleich-heit der inneren Rundung in Höhe Breite und Tiefe, aber die schon imBildnis des Zwanzigjährigen deutliche Einsenkung der Augenhöhlen wirdmit jedem Jahrzehnt tiefer und dunkler, das groß aufgetane Auge der Ju-gend kehrt sich zwar nicht nach innen wie das des Betrachters und My-stikers, aber es schaut aus einem immer tieferen Innenraum in die Welt,die Lider schließen sich öfter und dichter darüber und verhüllen auf einemBildnis völlig die Augensterne die Darstellung eines Lebenden, derenwir uns in der Kunst nur bei einem Porträt des Paracelsus oder auf demBamberger Grabmal Heinrichs II. bei der Figur des Arztes erinnern, derin allen Zügen eine große Ähnlichkeit mit George hat. Unverändert bleibendie drei wunderbaren Linien des Profils: der Stirn, der Nase und desLippen-Kinnteils. Sie verlaufen jede kräftig in sich und von fein-gewellten Schwingungen in kaum merklichen spitzen Winkeln zuein-ander, deren gemeinsamer Scheitelpunkt am Ansatz des Haupthaares liegt-Durch diese zusammenstimmende Dreiheit der Linien unterscheidet sichdas Profil Georges von dem bekannten griechischen, in dem die beidenoberen Linien möglichst zu einer verbunden sind und der Schnittpunktmit der unteren Lippen-Kinnlinie in der Nasenwurzel, ja bei den archai-schen Bildwerken noch tiefer liegt. Die Linien im Profil Georges sind alsobewegter und reicher aber sie behalten durch den gemeinsamen Scheitel-punkt und ihre nur wenig von der Grundfläche aufgehobenen Winkeldennoch eine sichere Ruhe und Geschlossenheit. Den drängenden Kräftender Bewegung halten Maß und Bändigung das Gleichgewicht, das Viel-fältige ist wieder in einer großen Einfachheit zusammengehalten. DieserEindruck wird noch verstärkt durch die gewaltige Linie des Kinnbacken-knochens, auf dem das ganze Antlitz wie auf einer unerschütterlichenBasis zu ruhen scheint, dann durch das große volldurchgebildete Ohr unddie Wucht des langgesträhnten Haupthaars, dessen tief in den Nackenreichende Fülle alle bewegten Teile des Gesichtes auffängt. Trotz dermächtigen Einzelformen, der breiten hohen Stirn mit den schwergewölbtendie Augen überschattenden Brauenknochen des genauen Beobachters, trotzdes willensstarken unerbittlich festen Kinns unter der leicht vorgestoßenenUnterlippe und den ungewöhnlich räumigen Wangenflächen und Schläfen»tritt doch keine Einzelform aus der geschlossenen Gesamtform heraus-Die Teile überschreiten auch nirgends das wohlgebildete menschlicheMaß: sie erwecken den Eindruck des Bedeutenden nicht durch eine über-

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