das ihn hellsichtig und gütig gemacht hat.--------Zweierlei vereint die
Form seines Kopfes: unerbittlichen Willen und regsame Zartheit. Formist alles geworden, in die Flächen und Linien des Schädels eingearbeitet,nichts ist bloße Zuckung und Stimmung — ein plastisches, kein maleri-sches Haupt. Auch hier, wie in seinem Werk, ist der innere Gehalt zusichtbarer Gestalt, zu Charakter (das ist: umrissene Form) verdichtet unddurchglüht — nirgend unbewältigter Seelenrohstoff . . . ein Mensch, derbei mächtigen Trieben und empfindlichen Nerven sich völlig in der Ge-walt hat, dem Phantastik, Schwelgerei, Spielerei sehr fern liegt, den einzentraler Wille beherrscht und sichert — unter den geschichtlichen Köp-fen dem Dantes am ähnlichsten, aber bei gleicher Energie mehr sensitivals spirituell. Wer ihn also nach seinen Gedichten für schwach hält, denWiderlegt die unverkennbare Willenskraft dieses Gesichts. Wer ihn füreng und stumpf hält, kann die belebte Mannigfaltigkeit des Ausdrucksnicht leugnen. Wohl aber findet man die ehernen Reihen der ZeitgedichteUnd die leisen Schwingungen des Jahrs der Seele wieder: harte Tat undzarten Traum".
Die Jahre des Streites um die Gestalt Georges, wie ihn das jüngere Ge-schlecht der Blätter damals in der deutschen Öffentlichkeit begonnenhatte, klingen noch durch dieses Bild, ein Jahrzehnt später spricht dieWeibliche Stimme der „Georgika" über das meisterliche Antlitz aus derStille des unwiderleglichen Sieges, den der Dichter über die Umwelt ge-wonnen hat: „Bei Anaximander" schreibt sie „gibt es den Gedanken vomüneiQov, den Gedanken, daß die vollkommene Mischung aller bestimmtenQualitäten ein Unbestimmtes ergebe. Daran mahnt sein Antlitz, in demkein einzelner Zug, weder Wille noch Klugheit, weder Traum noch Lei-denschaft, weder Leid noch Lust einzeln oder dominierend hervortritt,sondern alles gebunden in einer übermannenden Hoheit: wie das Antlitzeines griechischen Gottes, wie ein Seraph bald und bald wie ein Löwe, einUnbegreifliches Zugleich von Mächtigkeit und Zärtlichkeit".
Alle Aussagen in Vers und Prose über die Erscheinung Georges wäh-rend seines vierzigjährigen Wirkens sprechen übereinstimmend von derMächtigkeit oder der Mischung von Mächtigkeit und Zartheit in seinemHaupte. An dem Grundzug der Größe und Strenge in seinem Antlitzscheint das Lebensalter keinen Anteil zu haben und von der Jugend bisJ n die Jahre des reifenden Mannes wird sein Bild in der gleichen Un-Wandelbarkeit gesehen wie sein geistiges Wesen. Die Lichtbilder aus allenLebensstufen, welche die Gesamtausgabe seiner Werke und der Verkauffrüherer und jüngster Aufnahmen jetzt bekannt gemacht haben, bestätigenden augenhaften Eindruck der Zeitgenossen und lassen zugleich erkennen,
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