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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
Entstehung
Seite
570
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Der Meister hörte schweigend der Jugend zu, aber als das Wort fiel: »DieWeltseele ist müde geworden" wandte er sich mit blitzenden Augen demSprecher zu undDie meine nicht!" fuhr wie ein Pfeil aus seinem Mundeund zerstoben war aller Spuk von Müdigkeit und Lähme der Welt. Er istmißtrauisch bis zum Argwohn gegen jedes Weich- und Mürbewerden, ab-lehnend bis zur Härte gegen jedes Eingefahrene, rücksichtslos bis zurVerachtung gegen jedes Verkalkte und Bequemgewordene. Er hat seinenWerk-Ruhm ein Leben hindurch gewahrt und gemehrt, aber fühlt sichstark genug, Triumphe und Schätze zu verschenken um des höheren Rech-tes und des Reiches willen.Wenn heute ein Junger käme und ich sähe,daß er mehr wäre und mehr könnte als ich", so sprach er jüngst,ichwürde ihm mit Freuden sagen: Nun walte du und nimm jeden Rat meinesAlters wenn er dir dienen kann".

Wie zuerst in einem, dann in mehreren Kreisen seiner näheren und wei-teren Umgebung so ist heute die ganze geistige Luft in Deutschland inSchwingung geraten, weil ein großer Geist ruhig in der Mitte steht. Obgewußt oder ungewußt rührt sein Hauch alle lebensfähigen Keime undKräfte an, und wenn die Gottheit noch einmal diesem Volke gnädig wirdund ihm eine neue Erfüllung gewährt, so geschieht es, weil der eine dasHerz der Welt erschüttert hat. Wir haben erzählt, wie sein Erschei-nen vom ersten Beginn ab seltsames Erstaunen, rückhaltlose Bewunde-rung und rückhaltlose Feindschaft erweckte. Sie fanden ihren Nieder-schlag in Legenden, die oft mehr Wahres von dem inneren Sachverhaltwiedergeben, als die dürre Erzählung vermöchte. Das Korn bildlicherWahrheit, das auch die Legende enthält komme sie' nun aus der Liebeoder dem Entsetzen geht hervor aus dem unmittelbaren sinnfälligenEindruck und ist Zeichen einer lebendigen Wirkung. So stehtder jungeGoethe", das Bild des Jünglings wie ihn keins der neueren Völker in die-ser Form besitzt, und noch neben ihmder Olympier" in mythischemSchimmer vor uns. So sagen die Legenden um Napoleon mehr von seinemWesen aus als wahrheitsgetreue Berichte und überdauern die phantasie-armeObjektivität", welche in jedem Jahrfünft ihr Ergebnis wechselt-Die kleinere zerstört nie die größere Wahrheit, die niedrigere Wirklich-keit nie die höhere. Wenn die Menschen heute erfahren haben, daß es umGeorge keine Schlösser und Purpurmäntel gab, daß die Prunkräume Lech-ters bescheidener waren als jederSalon" und mehr durch ihre Fremdheitund Einheit als durch Aufwand und Reichtum bezauberten, daß das Zin 1 "mer Georges in Bingen noch viel einfacher war, daß ein Schreibtisch, einStuhl, eine Bank, ein Bücherbort, die der benachbarte Schreiner nach sei-nen Angaben fertigte, der ganze Inhalt der Klause war so steigt aus

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