Spiele der Jugend und Liebe, den Reigen der Feste führen, nicht die Tataus sich entlassen, damit der Geist in steter ungetrübter Klarheit ausihnen rede — wie im Buch der „Gestalten" der Minner singt: „im rauschdes festes hab ich meinen hauch". Er gehört so ganz zu diesem freveln-den Geschlecht der Dichter, daß die Menschen der geschäftigsten Zeit,welche jemals die Erde gesehen hat, ihn lange als die Grundgestalt dieserArtung sahen, als den „Ästheten", den „Formalisten", den „reinen Genie-ßer" — und er ist diese Grundgestalt bis in jede Faser seines Herzens, istder Dichter, der die Kinder der Deutschen mit seiner lockenden Stimmeum sich sammelte und sie lehrte, daß nur eines zu schaffen not sei: dasneue Leben und der festliche Sang .. der Dichter der klagte, daß mitdem Aufhören der Olympischen Spiele das griechische Volk in seinemWesen erstorben sei, der dem Untergang der christlichen Feiern nach-trauerte und nicht wahr haben wollte, daß der öde Gleichgang der moder-nen Arbeit und Wirtschaft das allein des Mannes würdige Tun sei. Er istdieser eine und doch auch der andre, der Träumer und Sänger und dochauch der Werker und Täter: der Mann, der Leistung auf Leistung hinaus-stellte, ohne daß jemand ihn jemals hätte arbeiten sehen, der die Geisterder Zeit bewirkte, ohne daß jemals einer die Mühsal des Tages an ihm be-merkte, der an die Seinen den „Ruf zum Wirken" schickte und dochihnen sagte: „Arbeit ist gut, aber es ist Sache der Schamhaftigkeit, daßman sie euch nicht anmerkt. Schafft euer Werk in der Stille, w i e ihr esschafft ist euere Sache, aber unbedingt wichtiger ist jede Stunde, die dasgemeinsame Leben fordert".
Sein Tun ist so als ob er nicht täte, seine Haltung so als ob seine unbe-lasteten Schultern noch ganze Welten tragen könnten. An seinem Vorbildlernte jeder das Etwas-Mehr als das Äußerste dulden, das Etwas-Mehr alsdas scheinbar Letzte tun: jene beglückende Kraft, die nur unter demAtem großer Geister gedeiht. Nie versagt der Meister sich selbst einemmenschlichen Anspruch, er ist immer bereit, immer für andre da und dul-det nur tätige Menschen in seiner Umgebung. Wenn ein jüngst verstorbe-ner deutscher Gelehrter meinte, die neue geistige Bewegung sei wie dieRomantik „wesentlich kontemplativ und aristokratisch und dadurch gegendie Aktivität der Revolution im Nachteil", so hat er die nötige Traum-stille und festliche Ruhe mitten im Wirken mit tatloser reiner Betrach-tung verwechselt. Nirgendwo weniger als um George gibt es betrachtendesLeben und müden Verzicht. Seine feurige Seele duldet kein Träges undWelkes um ihn. Wir wandelten in den trüben Jahren nach dem Friedene »nes Tages in den Straßen der kleinen Stadt und die Jungen sprachentiefsinnige Dinge von der Leere und Lähmung, die die Welt befallen habe.
569
/