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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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sten Maße für Stoff und Ding jenen schnellen Sachkennerblick der hand-werklichen Meister und für menschliche Werte jene blitzartige Einsichtwie sie Führer und Feldherrn haben, um im Bruchteil einer Sekunde aneiner Person das Taugliche und Wofürtaugliche, Rang und Platz zu er-fassen. Aber darüber hinaus ist ihm von den Göttern das untrügliche Augegegeben, den inneren Keim des Menschen zu erkennen und zu spüren. Annoch undeutbarer Jugend liest er aus leiblicher Formung und Bewegungdie Stärke oder Schwäche des Blutes, am Erwachsenen spürte er, selbstohne ihn zu sehen, aus schriftlichem oder übermitteltem Wort die Echt-heit oder Fäulnis eines Wesens, und wo andre noch brausendes Talentoder unentwickelte Fähigkeiten verteidigten, witterte er längst das ver-borgene Siechtum. Doch auch wo die Klügsten zu viel Zartheit undDumpfheit, Uberstiegenheit und Verranntheit schmähten, erkannte er imMenschen die echte Not und Kraft und hob das Versenkte mit langsamerHut oder schnellem Griff ans Licht. Dasselbe Auge, das im dichterischenTraum den Ursinn der Dinge schaute, sah mit dem gleichen Tiefenblickdas wachsende und welkende Leben der Seele und stand voll Freude oderTrauer, aber immer unbefangen und unbestechlich vor dem unabänder-lichen Sosein dessen, was ihm an Menschenwesen gegeben ward.

Um so frei in Wahl und Ablehnung zu sein, wie sein Genius forderte,brauchte George jene Unbeengtheit und Losgelöstheit, die ihm sein Wan-derleben gewährte. Je weniger dieser seltne Gast für seine persönlichenBedürfnisse benötigte, desto ungezwungener und offner mußte der Raumsein, in dem er sich bewegte. So sehr er Regel und Ordnung liebte, sowenig liebte er in ein zu fein durchklügeltes, zu sehr vorausgesichtetesLeben gespannt zu werden, und mehr als die sorgfältige Berechnungschätzte er das Glückhaben und den günstigen Zufall für die Stunde derFreundschaft. Wie Sebastian Bach einem Räume sogleich ansah, welcheAkustik er habe, so hat George ein Gefühl für den geistigen Ort, die Fein-fühligkeit der großen wandernden Fremdlinge für die Lage, in der sichseine Menschen bewegen: nur wo ganz die Luft seines Geistes weht»öffnet sich der verschlossene Stolz dieser Seele. Dort ist er zu Hause undjede Stunde des Planens oder der Freude mit ihm ein volles Glück.

Er bleibt auch da der Unbegreifliche vor dem sich das Schwere undLeichte vertauscht und die Arbeit zu heitrer Muße, die Muße zu ernsterArbeit wird: Tätigkeit und Ruhe sind bei ihm zu einer undurchschauba-ren Einheit verbunden. Wenn man seine Tage und nicht nur aus derFerne kennt so gehört er zu den frevelnden Dichtern, die sich den Göt-tern gleich dünken, die Tage vertun, wie die Lilien im Felde nicht säennoch ernten, sondern das ewige Loblied singen . . zu ihnen die nur di e

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